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		<title>Beinarbeit war das, echte Beinarbeit</title>
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		<pubDate>Sat, 04 May 2013 11:25:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Butterwek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Annette Pehnt]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Im Supermarkt kaufte er stapelweise Steinofenpizza, die er zu Hause ungeschickt aus den feuchten Kartons schälte. Manchmal reihte er sich bei McDonald&#8217;s in die Schlange. Was schmeckt denn hier besonders gut, fragte er ein Mädchen […].&#8221; Annette Pehnt: &#8220;Ich muß los&#8221;, Roman, 125 Seiten, München 2001. Als ein moderner Bartleby wird er vorgestellt, der aufhört zu sprechen, als er im zarten Kindesalter merkt, dass niemand die Wahrheit hinter den Dingen und Beziehungen hören will. Seitdem knackt der Kiefer, wenn er den Mund öffnet, gähnt oder doch einmal das Wort erhebt. Dorst. Der Vater hört auf zu essen, stirbt und der Heranwachsende verschließt sich der Gesellschaft. Wieder Dorst. &#160; Gottseidank belässt es Annette Pehnt in ihrem Romandebüt aus dem Jahr 2001 nicht bei diesem schalen Einstieg und verzichtet darauf, ihren Protagonisten Dorst zu einer experimentellen Figur zu machen, an der eine Theorie durchexerziert werden soll. Im Gegenteil gelingt ihr ein höchst lebendiger und angenehm zu lesender Text, der eine Krise in Dorsts Leben zum Anlass nimmt, sein Leben anekdotisch zu erzählen und nach langer Schleife, in der flüssig vereinzelte, letztlich doch aber zusammenhängende Episoden eingearbeitet werden, mit ein wenig mehr Verständnis für den Charakter zurück zur Figur zu kehren. &#8220;Dann bitte [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;Im Supermarkt kaufte er stapelweise Steinofenpizza, die er zu Hause ungeschickt aus den feuchten Kartons schälte. Manchmal reihte er sich bei McDonald&#8217;s in die Schlange. Was schmeckt denn hier besonders gut, fragte er ein Mädchen […].&#8221;</em></p>
<p>Annette Pehnt: &#8220;Ich muß los&#8221;, Roman, 125 Seiten, München 2001.</p>
<p>Als ein moderner Bartleby wird er vorgestellt, der aufhört zu sprechen, als er im zarten Kindesalter merkt, dass niemand die Wahrheit hinter den Dingen und Beziehungen hören will. Seitdem knackt der Kiefer, wenn er den Mund öffnet, gähnt oder doch einmal das Wort erhebt.</p>
<p>Dorst.</p>
<p>Der Vater hört auf zu essen, stirbt und der Heranwachsende verschließt sich der Gesellschaft.</p>
<p>Wieder Dorst.</p>
<div id="attachment_1951" class="wp-caption aligncenter" style="width: 370px"><a class="highslide img_1" href="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/05/Foto-04.05.13-13-20-15.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class=" wp-image-1951    " alt="Was schmeckt denn hier besonders gut, fragte er ein Mädchen." src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/05/Foto-04.05.13-13-20-15.jpg" width="360" height="315" /></a><p class="wp-caption-text">Was schmeckt denn hier besonders gut, fragte er ein Mädchen.</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gottseidank belässt es Annette Pehnt in ihrem Romandebüt aus dem Jahr 2001 nicht bei diesem schalen Einstieg und verzichtet darauf, ihren Protagonisten Dorst zu einer experimentellen Figur zu machen, an der eine Theorie durchexerziert werden soll. Im Gegenteil gelingt ihr ein höchst lebendiger und angenehm zu lesender Text, der eine Krise in Dorsts Leben zum Anlass nimmt, sein Leben anekdotisch zu erzählen und nach langer Schleife, in der flüssig vereinzelte, letztlich doch aber zusammenhängende Episoden eingearbeitet werden, mit ein wenig mehr Verständnis für den Charakter zurück zur Figur zu kehren.</p>
<p><em>&#8220;Dann bitte hier hinten, sagte der kleine Kellner und führte Dorst an einen Zweiertisch neben der Garderobe. Kommt noch jemand dazu, fragte er. Wieso, sagte Dorst.&#8221;</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Zu Anfang wird der Tod des Vaters erwähnt, der stattfindet, als Dorst gerade dem Kindesalter entwächst. Der Autorin ist es zu danken, dass sie es bei der kleinen Andeutung belässt und den Verlust nicht zum Motiv aufwertet. Das Interessante an ihrem Protagonisten stellen nicht seine Gründe und Motive dar, sondern sein Verhalten, das bei näherem Betrachten gar nicht so eigentümlich erscheint. Dorst flieht und gibt damit einem menschlichen Grundbedürfnis nach, tut das jedoch in jeder Minute.</p>
<p>&#8220;Ich muß los&#8221;, sagt Dorst, wenn ihm eine Situation, ein Gespräch oder ein Kuss zu brenzlig wird. &#8220;Ich muß los&#8221; und er rennt schon aus der Wohnung, &#8220;ich muß los&#8221; und drischt den Minigolfschläger gegen die Kniescheibe des &#8220;Stiefvaters&#8221;. Bis er irgendwann darüber sein eigenes Leben verpasst hat.</p>
<p>Jedem dürften solche Reaktionen aus eigener Erfahrung bekannt sein, doch hier wird die vereinzelte Übersprungshandlung ins Exemplarische gesteigert und Dorst als Getriebener entwickelt, der seinem Fluchtreflex immer öfter entspricht, ja entsprechen muss, da der Korridor schmaler und schmaler wird mit jedem weiteren Wegrennen und andere Reaktionen nicht mehr gestattet.</p>
<p>Annette Pehnt setzt die Figur nicht aufdringlichen Blicken aus und widersteht auch der Versuchung, billigen Spott aus ihrem Schaden zu ziehen. Stattdessen steigt sie ein, als Dorst versucht umzukehren, den stotternden Gang, in den er verfallen ist, wieder in Gleichklang mit den anderen zu bringen und nachzuholen, was ihm so fehlt, wovor er aber immer davongerannt war: das Zusammensein mit anderen Menschen, eine Frau &#8211; Liebe. Aber Pehnt ist zu sehr Realistin, als dass sie Dorst auf eine Tour de Soap schicken würde, an deren Ende die vermeintliche Erlösung und Begründung der Torturen stände. Immerhin schenkt sie ihm ein Happy End. Den Courths-Mahler-Leser wird es nicht zufriedenstellen, Dorst jedoch sehr wohl.</p>
<p>Dorst lässt sich mit einer Schuhverkäuferin Gun ein, als er die zu klein gewordenen Schuhe des Vaters abstreift, und versucht es auch mit der Schnellwäscherin Jasmin, als ihm die Chemische Reinigung die väterlichen Hemden nicht mehr recht zu säubern scheint. Aber erst Elner wird ihm ein neues Hemd schenken, damit die alten schwarzen Stoffe endlich im Kleiderschrank hängen bleiben dürfen. Aber die Pädagogisierung durch die Lehrerin scheitert und Dorst &#8220;muß los&#8221; und hier hakt der Text ein und beginnt seine interessante Zeitschleife, an deren Ende ein Wiedersehen mit Elner und Dorst stehen wird.</p>
<p><em>&#8220;Ich lade dich ein zum Tanz, sagte er. Ich lade dich ein zum Tanz, sagte neben ihm ein Mädchen mit verstellter Stimme und lachte. Der Türsteher hatte gewölbte Lippen und auf dem Oberarm ein keltisches Muster.&#8221; </em></p>
<p>Die Randbemerkung des Vaterverlusts bleibt dabei Randbemerkung und wird nicht zum Motiv, sondern Steigbügelhalter für schöne Bilder. Dorst ist nicht in die tradierte Welt hineingewachsen, ihre Regeln und Verhaltensmuster sind ihm fremd geblieben, sie beängstigen und lassen Reißaus nehmen. Dorst, der sein Abitur mit Eins Null ablegte und danach einfach nichts mehr tun wollte, erfindet sich eine eigene Tradition.</p>
<p>Als Stadtführer der &#8220;anderen Art&#8221; bringt er Touristen an die wenig sehenswürdigen Orte der Stadt und erfindet für 20,- die Stunde absurde Geschichten zu einzelnen Lokalitäten. Der Schweigsame und Menschenscheue spricht von der großen Bedeutung der Bratwurstschnecke für die Entwicklung der Stadt, erfindet einen Fledermauszüchter in der Domspitze und den unter Gebäckhagel ablaufenden wöchentlichen Auftritt der Ehrenbürgerin der Stadt &#8211; seine verstorbene Tante Lollo &#8211; auf ihrem Balkon.</p>
<p>Freiwillig beginnt Dorst, sich in Situationen zu bringen, in denen er Kontakt zu anderen suchen und herstellen muss und während er seine Biografie in die Geschichte der Stadt hineinphantasiert und die Touristen eifrig nicken, überspringt er für kurze Momente sein Einzelgängertum und wagt es, Elner anzusprechen. In ihr hofft er die Freundin zu finden, die er als Teenager hatte haben wollen und mit ihr isst er endlich das Hefegebäck, das sein Jugendfreund Gregor damals an seine Jugendliebe verfüttern durfte.</p>
<p>Annette Pehnt verfügt über eine geschliffene, kontrolliert und bewusst eingesetzte Sprache. Sie weiß um die Bedeutung von Wort, Rhythmus und Satz und vermag einen sprachlichen Zusammenhang herzustellen, mit dem sie elegant die Geschichte webt und zu fesseln vermag. Sprachwitz und Lakonie sind ihre Stärken, Entwicklung und Führung gute bekannte. Dies zeigt sich bereits in den ersten Worten des Romans: &#8220;Ich muß los&#8221;.</p>
<p><em>&#8220;Wir sind doch damals, sagte Herr Quoirin, über die Alpen ohne Gangschaltung, das kennt ihr gar nicht mehr, Beinarbeit war das, echte Beinarbeit.&#8221; </em></p>
<p>Zum einen finden sich die Fluchten Dorsts vor Begegnung, Nähe und Zuneigung hineingepackt, zum anderen schwingt auf anderer Ebene die unbewusste Gewissheit mit, nun tatsächlich &#8220;los zu müssen&#8221; &#8211; das eigene Leben einzuholen und endlich beginnen zu wollen. So freut man sich, auf ein gutes Stück neuer deutscher Literatur gestoßen zu sein, das zwar kein Meisterwerk ist, sich jedoch ungeniert auf den vorderen Plätzen der Nachwachsenden zu behaupten vermag. Pehnt ist keine Provokateurin, noch neigt sie zu oberflächlichen und trivialen Erklärungen. Wo nichts verstanden und erklärt werden kann, lässt sie Raum.</p>
<p>Wo andere Plakatives tapezieren, gibt sie Mensch hinzu. Das reicht und das ist gut so!</p>
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		<title>Plane Clothing</title>
		<link>http://blog.zoetrope.de/archives/1914</link>
		<comments>http://blog.zoetrope.de/archives/1914#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Apr 2013 17:44:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schreber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Gerry Buxton]]></category>
		<category><![CDATA[Plane Clothing]]></category>

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		<description><![CDATA[Plane Clothing is a small independent fashion label set up by designer and photographer Gerry Buxton five years ago. We asked some questions&#8230; Why planes? I get asked this quite a lot and I have several different answers, I guess the first and simplest answer is that after I moved to London (after graduating in 2004) from Edinburgh one of the first differences I noticed was the sheer number of planes flying over London, next time your in London on a clear day take a minute to stop and watch the sky, you&#8217;ll see plane after plane flying in along the same flightpath every minute like clockwork. Having noticed this I started photographing the planes and doing illustrations of them, looking at them thinking about where they where going and who was on them. I think the plane makes a perfect logo for a brand from London, I think the plane is a very posotive and hopeful symbol, when you see a plane you think about travel and holidays. Also I love wordplay and puns, so Plane Clothing made me smile a well. Why Shirts? I think shirts are one of the most accesable &#8216;canvases&#8217; for artists and designers to [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.planeclothing.co.uk/" target="_blank">Plane Clothing</a> is a small independent fashion label set up by designer and photographer Gerry Buxton five years ago. We asked some questions&#8230;</em></p>
<p><strong>Why planes?</strong></p>
<p>I get asked this quite a lot and I have several different answers, I guess the first and simplest answer is that after I moved to London (after graduating in 2004) from Edinburgh one of the first differences I noticed was the sheer number of planes flying over London, next time your in London on a clear day take a minute to stop and watch the sky, you&#8217;ll see plane after plane flying in along the same flightpath every minute like clockwork. Having noticed this I started photographing the planes and doing illustrations of them, looking at them thinking about where they where going and who was on them. I think the plane makes a perfect logo for a brand from London, I think the plane is a very posotive and hopeful symbol, when you see a plane you think about travel and holidays. Also I love wordplay and puns, so Plane Clothing made me smile a well.</p>
<p><strong>Why Shirts?</strong></p>
<p>I think shirts are one of the most accesable &#8216;canvases&#8217; for artists and designers to sell their work on, it is relatively inexpensive to set up and start printing your own, there is a well established market for t-shirts, everyone wear&#8217;s t-shirts and everyone wants to make a different statement with theirs.</p>
<p>
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<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/02' title='02'><img data-attachment-id="1917" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/02.jpg" data-orig-size="642,960" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="02" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/02-200x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/02.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/02-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="02" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/03' title='03'><img data-attachment-id="1918" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/03.jpg" data-orig-size="658,960" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="03" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/03-205x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/03.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/03-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="03" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/06' title='06'><img data-attachment-id="1921" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/06.jpg" data-orig-size="718,538" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="06" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/06-300x224.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/06.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/06-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="06" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/04' title='04'><img data-attachment-id="1919" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/04.jpg" data-orig-size="960,875" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="04" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/04-300x273.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/04.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/04-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="04" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/07' title='07'><img data-attachment-id="1922" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/07.jpg" data-orig-size="960,875" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="07" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/07-300x273.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/07.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/07-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="07" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/00' title='00'><img data-attachment-id="1915" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/00.jpg" data-orig-size="500,645" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="00" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/00-232x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/00.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/00-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="00" /></a>
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<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/16' title='16'><img data-attachment-id="1930" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/16.jpg" data-orig-size="1000,1000" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="16" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/16-300x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/16.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/16-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="16" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/23' title='23'><img data-attachment-id="1936" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/23.jpg" data-orig-size="1000,1000" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="23" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/23-300x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/23.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/23-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="23" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/17' title='17'><img data-attachment-id="1931" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/17.jpg" data-orig-size="1000,1000" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="17" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/17-300x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/17.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/17-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="17" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/18' title='18'><img data-attachment-id="1932" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/18.jpg" data-orig-size="1000,1000" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="18" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/18-300x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/18.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/18-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="18" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/19' title='19'><img data-attachment-id="1933" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/19.jpg" data-orig-size="494,800" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;3.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D80&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1301935229&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;22&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.05&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="19" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/19-185x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/19.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/19-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="19" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/archives/1914/attachment/13' title='13'><img data-attachment-id="1928" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/13.jpg" data-orig-size="960,960" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="13" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/13-300x300.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/13.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/04/13-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="13" /></a>
<br />
<strong>Where are your origins?</strong></p>
<p>I grew up in Scotland and although my parents are not particuarly &#8216;arty&#8217; types there were always lots of pictures on our walls at home, from old Japanese woodcuts to more modern prints and paintings, I grew up appreciating art as something accessable and made to be enjoyed. I think the biggest influence would have been the art department at school, the artroom was a haven away from the rest of the school, a place where you were encouraged to express yourself and were&#8217;nt berated for turning up late smelling of fags.</p>
<p><strong>You are walking around with a camera and suddenly a new theme comes up?</strong></p>
<p>Ocasionally I will be walking around and inspiration will take me, but generally the shoot for an illustration is a longer process, first I will select the building or location for the shoot, then maybe go along to check it out and take some preliminary shots, before going back to get &#8216;the shot&#8217; or &#8216;shots&#8217; I need for the print.</p>
<p><strong>How long does it take you from photographing a theme to selling the new shirt? For example the new Heathrow shirt, featuring your wife in front of a house.</strong></p>
<p>For the &#8216;flightpath&#8217; print the time from first photo&#8217;s to first sale was about 10 weeks, this is a bit longer than it normally takes, I would say on average from first photo to final t-shirt takes about 6 weeks. I always try to release between 6 and 10 new prints a year, which doesn&#8217;t sound a lot but in reality is a lot of work!</p>
<p><strong>Which steps you have to do in that process?</strong></p>
<p>The first step is to go out an take the photo&#8217;s, the last few prints have been made from several photographs of the same location stitched together on photoshop to get the compesition of the print, I then take this composite photo into illustrator and start to trace over the top to create a line drawing. Once the line drawing is complete I start to fill in the secondary colours. Once this is done, the illustration is complete, but I have to then get the artwork &#8216;print ready&#8217; this means breaking it down into layers for the different colours and making sure all the overlaps of colour are going to work once its laid down on cotton, after this is done each layer is printed on acetate and the image is burnt onto a screen, ink is then pulled through the screens in order onto the t-shirts to create the final print.</p>
<p><strong>Some words about your hardware setup?<br />
</strong></p>
<p>The hardware set-up in the studio is quite lo-fi, the illustrations are done on my laptop, and the print sampling is all done on a small table mounted 4 colour carosel.</p>
<p><strong>What kind of ink do you use? My Plane-Shirt bought three years ago looks still new to me!</strong></p>
<p>In terms of ink where possible I use water based inks, mainly for their washablilty and soft feel on the surface of the shirt, where I have to print light colours on dark fabrics I have to use plastisol inks (plastic based) these are much less fun to work with (smell toxicity etc) but to get a vivid bright colour on a dark fabric there is not much choice.<br />
<strong></strong></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=Z63liGLobyg">http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=Z63liGLobyg</a></p>
<p><strong>Do you like Geometry? Lots of your themes have very clear lines and symmetry.</strong></p>
<p>I have a great respect for simplicity and logic, I feel a lot of my prints are bringing out the simplicity or basic truths of the subject matter, and while I&#8217;m working alot with buildings and street scenes the simplist form of a lot of these are geometric patterns and shapes.</p>
<p><strong>Ever thought expanding your business to other themes and items? You did some bicycle shootings. What&#8217;s to come in 2013?</strong></p>
<p>I&#8217;m off to New York in just less than a week to photograph buildings and street scenes from the city, so the next series will be 5 prints from New York, normally I can only release one print at a time, but with these I am going to do a <span style="text-decoration: underline;">kickstarter</span> campaign and see if I can get the money to release them all at once!</p>
<p><strong>You make a living from creating and selling very rarely shirts. Tell us about being Mr Planeclothing as a full time job.</strong></p>
<p>Running a t-shirt label full time and actually making a living from it is hard work, very hard work, especially now when high st retail in the UK is in such a mess, it is difficult to convince shops to take your stuff because they want established brands who they know will make them money. To survive as an independant t-shirt label you have to do a lot of selling direct to your customers, this is where I am lucking being in London, there a lots of opportunities to do street markets and art fairs and pop-up events. Currently I&#8217;m doing 2 or 3 days a week on the markets and 3 days in the studio, with a day off on mondays to recover from the weekend on the markets, running an independant tee label is hard work, but I would&#8217;nt want it any other way!</p>
<p><strong>You did some years ago the famous table lamp. A lamp windfring itself from the front to the backside of the shirt. Maybe some words about the story of THAT lamp. You still have the original picture?</strong></p>
<p>One sunday years ago, I was in the Sunday Upmarket just off brick land and trading next to me was a couple selling jewellry, they had the lamp on their table, the lamp was&#8217;nt working and they were going to bin it, I said I&#8217;d have it. I took it back to the studio, re-wired it and had it as the lamp on my desk where I print. One day I read an article about song writers and there was a quote which said any good song writer should be able to open a newspaper anywhere and be able to pen a song about the first story they found, I thought a good illustator should be able to do the same with the first thing he saw, I looked around saw my trusty lamp, photographed him and made the illustration.</p>
<p><strong>Gerry, thank you so much!</strong></p>
<p>Bruten Butterwek</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Plane Clothing can be found on the Upmarket next to Brick Lane every Sunday and on Spitalfields on Fridays.</p>
<p>Also available:</p>
<p><a href="http://www.planeclothing.co.uk/" target="_blank">http://www.planeclothing.co.uk/</a></p>
<p><b>Dotan&#8217;s shop</b><br />
Corner of Greek street and Bateman street<br />
Soho, London</p>
<p><b>Guns 4 fun</b><br />
47 Pembridge Road,<br />
London, W11 3HG</p>
<p><b>ONLINE</b></p>
<p><b>ASOS Marketplace</b><br />
<a href="https://marketplace.asos.com/boutique/planeclothing">Plane Clothing on ASOS</a></p>
<p><b>US trendy</b><br />
<a href="http://www.ustrendy.com/store/plane-clothing">Plane Clothing on US trendy</a></p>
<p>We recommend Gerry&#8217;s Facebook-Site: http://www.facebook.com/pages/Plane-Clothing/466860830610?ref=ts</p>
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		<title>Second Coming</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Mar 2013 10:36:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus König</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>

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		<description><![CDATA[Delphic sind Meister der Setlist. Wie sonst ist es zu erklären, dass mich ihr Konzert an diesem Mittwochabend im Frankfurter Nachtleben in solches Entzücken versetzt, nachdem in den zwei Wochen zuvor kein Tag verging, an dem ich nicht den Kauf dieser Konzertkarte bereut hatte? Delphic am 6.3.2013 im Nachtleben/Frankfurt. Blind und voller Vertrauen in das Schaffen dieser jungen Herren hatte ich zugeschlagen, erst dann habe ich mich mit ihren neuen Stücken beschäftigt. Ein Fehler, denn selten hat eine vielversprechende Band ein zweites Album so dermaßen vergeigt wie Delphic. Nach dem meisterhaften Debüt „Acolyte“ aus dem Jahr 2010, das alternativen Dancefloor geschickt mit Indiegitarren mischt, Hit an Hit reiht, wie aus einem Guss klingt und nachhaltige Euphorie erzeugt, ist der Nachfolger „Collections“, nomen es omen, eine eklektische Ansammlung von Popsongs. Überflüssige Popsongs. Unter diesen erinnert allein die Single „Baiya“ an den Glanz früherer Tage, und selbst hier wurde ordentlich Popweichspüler über den Song gekippt, auf dass er im Formatradio Platz finde. Ansonsten blieb mir von „Collections“ vor allem eine Stelle mit üblem Gerappe und eine Assoziation mit dem indiskutablen Spät-80er-Teenie-Phänomen BVSMP im Kopf. Auch die Voraussetzungen im Frankfurter Nachtleben sind an diesem Abend nicht die besten. Das Newcastle Brown Ale, auf das [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Delphic sind Meister der Setlist. Wie sonst ist es zu erklären, dass mich ihr Konzert an diesem Mittwochabend im Frankfurter Nachtleben in solches Entzücken versetzt, nachdem in den zwei Wochen zuvor kein Tag verging, an dem ich nicht den Kauf dieser Konzertkarte bereut hatte? <em>Delphic am 6.3.2013 im Nachtleben/Frankfurt.</em></em></p>
<p><em><span id="more-1893"></span></em></p>
<p>Blind und voller Vertrauen in das Schaffen dieser jungen Herren hatte ich zugeschlagen, erst dann habe ich mich mit ihren neuen Stücken beschäftigt. Ein Fehler, denn selten hat eine vielversprechende Band ein zweites Album so dermaßen vergeigt wie Delphic. Nach dem meisterhaften Debüt „Acolyte“ aus dem Jahr 2010, das alternativen Dancefloor geschickt mit Indiegitarren mischt, Hit an Hit reiht, wie aus einem Guss klingt und nachhaltige Euphorie erzeugt, ist der Nachfolger „Collections“, nomen es omen, eine eklektische Ansammlung von Popsongs. Überflüssige Popsongs. Unter diesen erinnert allein die Single „Baiya“ an den Glanz früherer Tage, und selbst hier wurde ordentlich Popweichspüler über den Song gekippt, auf dass er im Formatradio Platz finde. Ansonsten blieb mir von „Collections“ vor allem eine Stelle mit üblem Gerappe und eine Assoziation mit dem indiskutablen Spät-80er-Teenie-Phänomen BVSMP im Kopf.</p>
<p>Auch die Voraussetzungen im Frankfurter Nachtleben sind an diesem Abend nicht die besten. Das Newcastle Brown Ale, auf das ich mich zum Trost schon den ganzen Nachmittag lang gefreut hatte, ist von der Karte verschwunden. Stattdessen gibt es Warsteiner und einen deutschen Support Act. Julius Gale ist ein höflicher, junger Mann, der live zu dünn klingender Konservenmusik aus seinem Laptop singt. Eine Anti-Stimmungskanone, dessen Hauptähnlichkeit zu Delphic in einer Vorliebe für elektronische Klänge sowie einer stylish homosexuellen Optik liegt. So ist die Stimmung um kurz nach 22 Uhr, als die britischen Hipster endlich die Bühne betreten, im Saal verhalten und bei mir am Gefrierpunkt.</p>
<p><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='640' height='390' src='http://www.youtube.com/embed/ZFHxtnacFV8?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span></p>
<p>Und dann geht’s los. Zunächst bekommt man gleich mal „Baiya“ um die Ohren gehauen, das ohne Unterbrechung in den Überhit „Halcyon“ übergeht. Volltreffer. Das Konzept von 2010, die Songs gleichsam zu einem DJ-Set verschmelzen zu lassen wurde offenbar nicht aufgegeben. Ein erstes Aufatmen. Auch die Indiegitarre kommt in „Halcyon“ zum Einsatz, und die Musik ist voll, flächig und wunderbar laut. Nein, ein leibhaftiger Drummer ist durch nichts zu ersetzen. Ob so ein umgreifender Hallensound in die Wohnzimmeratmosphäre des Nachtleben passt, sei dahingestellt.</p>
<p>Besorgte Jugendliche greifen jedenfalls zum Ohrenschutz, wohl dem, der nichts zu verlieren hat und sich in vollem Umfang auf die Reise mitnehmen lassen kann. Denn die Überwältigungstaktik geht auf. Nach drei Songs in Folge eine kurze Begrüßung, dann wird die Ravemaschine sofort wieder angeworfen. Die Mischung ist geschickt. Die nichtssagenden neuen Songs sind showtauglich aufgepumpt, bereits zur Hälfte hat man sie praktisch überstanden und Delphic besinnen sich auf das fantastische Material der ersten Platte.</p>
<p>Mit dem Dreiergespann „Red Lights“, „This Momentary“ und „Doubt“ erreicht das Konzert seinen Höhepunkt. High Energy, die nie zum dumpfen Technorave wird. Immer wieder schimmert der Indiehintergrund durch, immer wieder zeigt sich die Verspieltheit der Elektroniktüftler, nie wird der Wille zur Party aufgegeben. Die perfekte Mischung. Für mich zumindest. Sogar das neue Lied, mit dem man den Set beendet, gefällt mir plötzlich. Vielleicht muss ich das Album doch noch mal hören? Nö, eher nicht, denn im Zugabenteil gibt es noch „Counterpoint“ und das quasiinstrumentale „Acolyte“, beides Songs von der ersten Platte, beides Songs, bei denen die gute Stimmung noch einmal zum euphorischen Hochgefühl wird. Noch muss ich Delphic also nicht aufgeben.</p>
<p>Ein gutes Gefühl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Klaus König via <a title="Koenigs Kultur" href="http://koenigskultur.blogspot.de" target="_blank">http://koenigskultur.blogspot.de</a></p>
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		<title>Kleines Mädchen, Böse Welt</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Mar 2013 10:48:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus König</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach über 15 Jahren ein Blick zurück auf die Protagonsten des damaligen deutschen Literaturwunders. Dieses Mal Zoe Jennys Blütenstaubzimmer/Teil1  Muss das sein? Es muss sein. Denn das Hochjubeln und Abfeiern des Romans im Feuilleton und die Überhäufung Zoe Jennys mit Preisen (3sat-Stipendium im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung, aspekte-Literaturpreis) hat Wirkung gezeigt. Äußert man Unmut über die Autorin und Unlust, das Buch zu lesen, fallen ansonsten intelligente, besonnene und geschmackssichere Menschen &#8211; na sagen wir wie&#8217;s ist: vor allem Frauen &#8211; über einen her und machen einen mit dem nicht ganz unbegründeten &#8220;Erst mal lesen, dann dissen&#8221; mundtot. Also gut. Erst mal lesen. Bei soviel Lob muss ja eigentlich was dran sein. &#8220;Eine so rundum gelungene erste Erzählung habe ich lange nicht mehr gelesen&#8221; (Hajo Steinert, Die Zeit) Der Inhalt ist schnell erzählt: die Eltern der Protagonistin Jo leben getrennt, sie wächst bei ihrem Vater auf. Nach dem Abitur reist sie zu der im südlichen Ausland lebenden Mutter und wohnt eine Weile bei ihr und ihrem Lebensgefährten. Dabei entwickelt sich zur Mutter nicht die Nähe, auf die Jo gehofft hatte. Die Zeit verstreicht, und am Ende löst Jo sich sowohl von der Mutter als auch vom Vater, der inzwischen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Nach über 15 Jahren ein Blick zurück auf die Protagonsten des damaligen deutschen Literaturwunders. Dieses Mal Zoe Jennys Blütenstaubzimmer/Teil1 <span id="more-1883"></span></em></p>
<p>Muss das sein? Es muss sein. Denn das Hochjubeln und Abfeiern des Romans im Feuilleton und die Überhäufung Zoe Jennys mit Preisen (3sat-Stipendium im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung, aspekte-Literaturpreis) hat Wirkung gezeigt. Äußert man Unmut über die Autorin und Unlust, das Buch zu lesen, fallen ansonsten intelligente, besonnene und geschmackssichere Menschen &#8211; na sagen wir wie&#8217;s ist: vor allem Frauen &#8211; über einen her und machen einen mit dem nicht ganz unbegründeten &#8220;Erst mal lesen, dann dissen&#8221; mundtot. Also gut. Erst mal lesen. Bei soviel Lob muss ja eigentlich was dran sein.</p>
<p><em>&#8220;Eine so rundum gelungene erste Erzählung habe ich lange nicht mehr gelesen&#8221; (Hajo Steinert, Die Zeit)</em></p>
<p>Der Inhalt ist schnell erzählt: die Eltern der Protagonistin Jo leben getrennt, sie wächst bei ihrem Vater auf. Nach dem Abitur reist sie zu der im südlichen Ausland lebenden Mutter und wohnt eine Weile bei ihr und ihrem Lebensgefährten. Dabei entwickelt sich zur Mutter nicht die Nähe, auf die Jo gehofft hatte. Die Zeit verstreicht, und am Ende löst Jo sich sowohl von der Mutter als auch vom Vater, der inzwischen auch eine neue Lebensgefährtin gefunden hat, mit der er zusammenwohnt. Diese Thematik gibt an sich einiges her.<a class="highslide img_3" href="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0283.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="alignleft size-medium wp-image-1885" title="Kicking the can all over the place" alt="Kicking the can all over the place" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/03/IMG_0283-226x300.jpg" width="226" height="300" /></a></p>
<p>Während sowohl Vater als auch Mutter neue Beziehungen eingehen und für sich selbst neue Familien schaffen, bleibt Jo als Überbleibsel ihrer zerbrochenen Ehe zurück. Jos Leben entwickelt sich nicht weiter, die Familie, die sie sich wünscht, kann sie nicht wiederherstellen, in die neuen Familien von Vater und Mutter kann bzw. will sie sich nicht integrieren. Die Zuwendung des bemühten Vaters kann dessen &#8220;Verrat&#8221;, eine neue Beziehung eingegangen zu sein, nicht aufwiegen. Ebenso werden die Erwartungen, die Jo an ein Wiedersehen mit der Mutter knüpft, nicht erfüllt, da dieser jeglicher Bezug zu der lange verlorenen Tochter fehlt und sie außerdem nach dem Tod ihres Lebenspartners Alois zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, als dass sie erahnen könnte, was in ihrer Tochter vorgeht. Doch all dies klingt interessanter, als es tatsächlich ist.</p>
<p>Vater und Mutter bleiben blasse Figuren, allein aus der Perspektive Jos wahrgenommen. Statt einer Ausarbeitung des Spannungsverhältnisses zwischen Jo und ihren Eltern erfährt der Leser in quälender Langatmigkeit alles über den Seelenzustand Jos, und die nur 120 Seiten Roman wollen einfach zu keinem Ende kommen. Oft kann man sich dabei des Eindrucks nicht erwehren, man lese das Tagebuch einer Spätpubertierenden.</p>
<p>Nun ist es sicherlich nicht falsch, in schwierigen Lebensphasen Dinge, die einen bewegen, niederzuschreiben, um sich Erleichterung und im besten Fall Klarheit zu verschaffen. Aber wer würde auf die Idee kommen, eine solche Niederschrift als Roman zu veröffentlichen? Noch dazu mit all ihren erzählerischen und stilistischen Mängeln?</p>
<p>Im &#8220;Blütenstaubzimmer&#8221; finden sich wieder und wieder all die Begebenheiten und Stimmungszustände, die 14 bis 18jährige gerne ihren Tagbüchern anvertrauen. Jo, die sich im Bett wälzt und nicht schlafen kann bzw. schlecht träumt; Jo, die durch die Stadt irrt und sich dabei von ihrer durchweg feindlichen Umwelt ständig bedroht fühlt. Verkäuferinnen fahren sie an, sie möge sich nicht an die Schaufensterscheibe lehnen, zwölfjährige Jungs zwingen sie, tote Schmetterlinge zu kaufen, und im Bus haben die Menschen den &#8220;Massenmörderblick&#8221; im Gesicht. Alltag einer Empfindsamen. Die Situationen wiederholen und gleichen sich. Dazu kommt Pubertät in ihrer schlimmsten Ausprägung:</p>
<p><em>&#8220;Auf der Beerdigung meines Großvaters, während alle mit gesenkten Köpfen dasaßen, begann ich plötzlich loszulachen. Einfach so, ohne Grund.&#8221;</em>.</p>
<p>Kenn ich. Meine Mitbewohnerin bekam am Ende des italienischen Arthouse-Rührschinkens &#8220;Il Postino&#8221; einen nicht mehr zu bremsenden Lachanfall. Einfach so, ohne Grund.</p>
<p><em>&#8220;Hier zeigt sich ein Talent, das zum Schreiben geboren ist&#8221; (Süddeutsche Zeitung)</em></p>
<p>Doch nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich ist Zoe Jennys Roman in höchstem Maße unbefriedigend. Ihr erzählerisches Unvermögen scheint Jenny mit einer Masse von Metaphern kaschieren zu wollen. Das schadet dem Roman jedoch mehr als es ihm nutzt. Ungelenk werden Bilder ständig mit &#8220;wie&#8221; eingeleitet: Tonströme hüpfen wie tausend kleine Gummibällchen in Jos Bauch; das Herz rast in der Brust wie ein eingesperrtes wildes Tier; das Leben der Mutter ist ein großes Geheimnis wie ein hungriges Raubtier, das den Boden, auf dem Jo zu gehen gedenkt, rücksichtslos verschlingt. Es sei hier im übrigen nur beiläufig festgestellt, dass Raubtiermetaphern nun auch nicht gerade die unverbrauchtesten sind. Was jedoch schwerer wiegt, ist die Schwammigkeit der Bilder.</p>
<p>Der bereits erwähnte &#8220;Massenmörderblick&#8221; der Menschen im Bus ist dabei einfach nur unbeholfen formuliert. Wie es besser geht, demonstriert Jakob Arjouni in &#8220;Magic Hoffmann&#8221; (1996), wenn er schreibt</p>
<p><em>&#8220;Die wenigen Leute, die Fred entgegenkamen, trugen zugeknöpfte Mäntel und machten Gesichter, als gingen sie jemanden ermorden&#8221;</em>.</p>
<p>Bisweilen ist Jenny jedoch nicht nur ungeschickt in ihren Formulierungen, sondern lässt ihre Leser ratlos zurück. Was bitte sollen z.B. &#8220;kleine, harte Angstkugeln&#8221; sein? Oft hat man den Eindruck, es sei Jennys Absicht gewesen, selbst die banalsten Sachverhalte als große Literatur zu formulieren. Und so ist es nicht einfach bewölkt, sondern &#8220;graue Wolkenfetzen fahren über die Sonne hin&#8221;. Jo schwitzt nicht, sondern der Schweiß rinnt aus ihrem Körper, &#8220;als brenne darin eine schrecklich Sonne&#8221;. Besonders schlimm wird es dann, wenn ihre Metaphorik nicht nur diffus ist, sondern Bilder einfach nicht funktionieren:</p>
<p><em>&#8220;Im Tageslicht sind die Straßen der Stadt Adern, die zu zerbersten drohen, und die Menschen und Autos strömen einer Überschwemmung gleich darüber hinweg&#8221;</em>.</p>
<p>Überschwemmung über den Adern? Sätze sollten doch trotz aller dichterischer Freiheit noch irgendwie Sinn machen.</p>
<p><em>&#8220;Mit ihrem ersten Roman traf Zoe Jenny eine ganze Generation mitten ins Herz&#8221; (Stern)</em></p>
<p>Wenn Zoe Jenny nun also weder eine Geschichte erzählen kann noch eine große sprachliche Begabung ist, so dass sie den Leser zumindest mit einzelnen Miniaturen, Episoden oder nur Sätzen erfreuen könnte, bleibt die Frage, ob sie zumindest etwas zu sagen hat, ob sie tatsächlich, wie vom Feuilleton behauptet, das Sprachrohr einer ganzen Generation ist. Ist sie nicht. Das beginnt schon mit ihrem Sprachstil. Obwohl Jahrgang 1974 schreibt Jenny bisweilen so gestelzt und geschraubt als sei sie eine berufsjugendliche ZDF-Serienautorin, die, obschon Mitte 50, einen peppigen, authentischen Dialog unter Jugendlichen verfassen soll. Die flotte Schreibe liest sich dann so:</p>
<p><em>&#8220;Heute abend geh ich auf eine Technoparty, wenn ihr wollt, könnt ihr mitkommen. Hab auch Ecstasy für euch.&#8221;</em></p>
<p>So spricht Nicola, der Freund von Jos Freundin Lea. So spricht die Jugend. Die Signalwörter &#8220;Techno&#8221; und &#8220;Ecstasy&#8221;, die auch noch der letzte Rentner im Bayrischen Wald mit jugendlich verbinden kann, sind drin. Ähnlich hölzern geht es weiter, wenn Lea Nicola antwortet:</p>
<p><em>&#8220;Nein, nein, lieber kein Ecstasy diesmal, (&#8230;) weil ich dann tagelang wieder so tot bin&#8221;.</em></p>
<p>Wen könnte es überraschen, dass Jo sich im Gedränge besagter Party dann unwohl fühlt und sogleich wieder ihre halbgaren Assoziationen auspinnt:</p>
<p><em>&#8220;Im Licht des Stroboskops sehe ich nur noch einzelne Körperteile (&#8230;) Ich selbst bin Teil einer großen Körpermaschine, die zittert und sich aufbäumt und einen hysterischen Lärm veranstaltet, gegen die schreckliche Stille im Kopf.&#8221;</em></p>
<p>Für den Roman selbst hat die Episode keinerlei Bedeutung, und man kann sich der Vermutung nicht entziehen, dass die ganze Technopartygeschichte nichts weiter als ein bemühter Versuch Jennys ist, den eigenen Roman zeitgeistiger zu gestalten.</p>
<p><em>&#8220;Ein fulminanter Erstlingsroman. Das Blütenstaubzimmer wird schnell mehr als eine Kindheitsgeschichte &#8211; es ist eine (sic) der ersten und radikalsten Roman der Technogeneration, adressiert in aller Härte an die 68er Eltern&#8221; (FACTS)</em></p>
<p>Doch die Rechnung mit dem Zeitgeist ist aufgegangen, denn Verleger und Feuilletonisten waren von der jugendlichen Authentizität des Romans offensichtlich begeistert. Mehr noch schienen sie in Jennys Roman das, was sie immer wieder so verzweifelt suchen, gefunden zu haben. Den Schlüssel zu einer Jugend, die sie nicht verstehen. So erklärt es sich auch, dass aus Jos Eltern flugs und ohne schlüssige Belege im Text die 68er-Eltern werden, an die das Buch &#8220;in aller Härte&#8221; angeblich adressiert ist. Aus der an sich nicht ungewöhnlichen Geschichte eines Scheidungskinds wird auf diese Weise von übereifrigen Redakteuren und Rezensenten eine Anklage der Technogeneration gegen die 68er-Generation gezimmert. Da war der Wunsch der Vater des Gedanken, denn so hätten sie die Anklage wohl gern, die 68er: leicht nachvollziehbar und in einer Sprache, die sie kennen. Kein Wunder also, dass es genau diese 68er sind, die Jennys Roman nach seinem Erscheinen in den Himmel gehoben haben.</p>
<p>Wenn der Inzuchtbetrieb des deutschen Feuilletons Zoe Jenny auf den Leim geht, ist das allerdings nicht weiter schlimm. Schlimm wird es erst dann, wenn ebenjene &#8220;Jugend&#8221;, die Jenny angeblich so treffend charakterisiert, glaubt, &#8220;Das Blütenstaubzimmer&#8221; handle tatsächlich von ihr und ihrer Lebensrealität. Sicherlich finden sich in Jennys Roman Szenen und Situationen, die jeder kennt und schon mal erlebt hat. Jeder schläft mal schlecht oder fühlt sich im Gedränge eines Linienbusses unwohl. Eine Zustandsbeschreibung einer ganzen Generation, wenn so etwas überhaupt (noch) möglich sein sollte, ist das &#8220;Blütenstaubzimmer&#8221; jedoch keineswegs. Wer hier sein Lebensgefühl wiederfindet, dem möchte ich mit Loriot antworten: &#8220;Vielleicht stimmt da mit deinem Gefühl was nicht&#8230;&#8221;.</p>
<p>Und so bleibt mir nur noch eine letzte Rezension zu zitieren:</p>
<p><em>&#8220;Das Blütenstaubzimmer ist existentiell-konventionell große Scheiße, gediegen talentfreier Mist&#8221; (Stefan Gärtner, Titanic)</em></p>
<p>Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Die Zitate aus FACTS, der Zeit, der SZ und dem Stern finden sich auf dem Buchrücken der Taschenbuchausgabe des &#8220;Blütenstaubzimmers&#8221;, die hervorragende Polemik Stefan Gärtners findet sich unter dem Titel &#8220;Angstkugeln im Mörderbus&#8221; in Titanic 1/99.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Klaus Koenig</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Phrasendrescher Doris – eine Gesellschaftssatire von Lale Nikki Eggers</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Feb 2013 08:28:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lale Nikki Eggers</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Lale Nikki Eggers]]></category>

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		<description><![CDATA[Das erste richtige Problem fängt für die 39-jährige Doris damit an, dass sich ihr jahrelang treu ergebener Mann, der in ihrem Leben nur noch die Rolle einer nie vorhandenen Putzfrau ersetzt, von ihr scheiden lassen will. Da scheinen die zahlreichen Affären, heimlichen Urlaube und Schwarzgeldanlagen doch nicht so professionell vertuscht, wie sie einst geglaubt hat. Und von dem Kind in ihrem Bauch weiß die gewohnte Herrin der Lage auch noch nichts. &#160; Michael hat jetzt schon zum zweiten Mal in diesem Monat vergessen, die Toilette zu putzen. Er wird beachtlich nachlässig was unseren Haushalt betrifft, denke ich mir und überlege mir im gleichen Moment eine angemessene Strafe, die ich ihm erteilen werde, wenn er von seinem alltäglichen Fitnessstudiobesuch heimgekehrt ist. Diese Pflicht diktiere ich ihm ebenso, da er sich in Form halten muss, wenn er weiterhin mit mir verheiratet sein will, was in seinem schwammig werdenen Alter von dreiundvierzig Jahren absolut nötig ist. Zwischenzeitlich kredenze ich mir nun ein paar Scheiben eines Baguette Viennoise, die ich mit Trüffelsalami, Steinpilzbutter und einer Prise Meersalzmischung mit Rosmarin aus den Abruzzen veredele. Dazu erlaube ich mir zweihundertfünfzig Milliliter Hummersuppe aus der Einwegflasche, kalt serviert. Praktisch ein Statussymbol. Beim Frühstück fängt meine Affinität für [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das erste richtige Problem fängt für die 39-jährige Doris damit an, dass sich ihr jahrelang treu ergebener Mann, der in ihrem Leben nur noch die Rolle einer nie vorhandenen Putzfrau ersetzt, von ihr scheiden lassen will. Da scheinen die zahlreichen Affären, heimlichen Urlaube und Schwarzgeldanlagen doch nicht so professionell vertuscht, wie sie einst geglaubt hat. Und von dem Kind in ihrem Bauch weiß die gewohnte Herrin der Lage auch noch nichts.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Michael hat jetzt schon zum zweiten Mal in diesem Monat vergessen, die Toilette zu putzen. Er wird beachtlich nachlässig was unseren Haushalt betrifft, denke ich mir und überlege mir im gleichen Moment eine angemessene Strafe, die ich ihm erteilen werde, wenn er von seinem alltäglichen Fitnessstudiobesuch heimgekehrt ist. Diese Pflicht diktiere ich ihm ebenso, da er sich in Form halten muss, wenn er weiterhin mit mir verheiratet sein will, was in seinem schwammig werdenen Alter von dreiundvierzig Jahren absolut nötig ist.</p>
<p>Zwischenzeitlich kredenze ich mir nun ein paar Scheiben eines Baguette Viennoise, die ich mit Trüffelsalami, Steinpilzbutter und einer Prise Meersalzmischung mit Rosmarin aus den Abruzzen veredele. Dazu erlaube ich mir zweihundertfünfzig Milliliter Hummersuppe aus der Einwegflasche, kalt serviert. Praktisch ein Statussymbol. Beim Frühstück fängt meine Affinität für Statussymbole an, bei Wohnungen hört sie auf. Denke ich. Ganz zu schweigen von meinen Autos, meinen Urlauben und meinen unverzichtbaren Champagnerpartys. Was ich jedoch nie besessen habe, ist eine Putzfrau.</p>
<div id="attachment_1870" class="wp-caption aligncenter" style="width: 606px"><a class="highslide img_4" href="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/02/IMG_0672.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class=" wp-image-1870  " alt="Feine, kalte Hummersuppe" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/02/IMG_0672.jpg" width="596" height="770" /></a><p class="wp-caption-text">Feine, kalte Hummersuppe</p></div>
<p>Für jene Zwecke habe ich meinen Mann. Michael. Eine andere Funktion erfüllt er seit mehreren Jahren nicht mehr. Dafür giere ich umso mehr danach, eine konsequente Hierarchie in meinem Eigenheim zu bewahren und diesen minderwertigen nutzlosen Einfaltspinsel zu unterdrücken. Zugegebenermaßen habe ich durchaus einen gesunden Machtwahn, finde daran jedoch keinerlei Nachteile. Warum auch? Sollte mir einmal einer im Weg stehen, würde ich dessen Niedergang erkaufen, denn ich will nur noch kaufen und nicht mieten. Bisher kenne ich auch keinen Gegenstand, keinen Zustand oder gar Gefühl, dass ich mir nicht leisten könnte.</p>
<p>Beim Überschuss dieser Gedankenflut lache ich laut durch die fünfundneunzig Quadratmeter meines Wohnzimmers und genieße mein alltägliches Morgenritual, stets im Bademantel gekleidet zu sein bis der Concierge mit dem Einkauf zurückkommt. Dass ich nicht selbst den Gang in den Supermarkt wage, hat mehrere Gründe. Vor allem fühle ich mich jedes Mal beobachtet oder werde von dem Gefühl verfolgt, mir würde jemand nachspionieren. Bei der Bekanntheit meines Gesichts wäre dies sogar kein Zufall, denn mein äußeres Erscheinungsbild ist der Mitwelt ebenso lokal wie mindestens über einen Umkreis von sechshundert Kilometern durchaus geläufig.</p>
<p>Um mich möglichst ausgiebig von der Außenwelt fern zu halten, wohne ich nicht umsonst im zweistöckigen Penthouse mit separatem Hintereingang inklusive Fahrstuhl, der ausschließlich mir und meinen Bediensteten zur Verfügung steht. Es besteht jedoch keinesfalls die Tatsache, dass ich Menschen anhaltend meide. Nein, es gibt in meinem Leben lediglich Tageszeiten, speziell die Morgenstunden, in denen ich Platz für meine Privatsphäre benötige. Abends werde ich mich sowieso wieder kaum vor Konversationen, Autogrammen und Sexangeboten retten können. Wobei ich mir bei einem kleinen Teil der heutigen Nacht bereits jetzt schon sehr sicher bin, wie dieser enden wird.</p>
<p>Ich werde nämlich Julius Borsig abschleppen.</p>
<p>Abschleppen ist ein schönes Wort, dass ich extrem oft und furchtbar gerne erwähne. Jedes Mal, wenn ich es ausspreche verwandelt sich mein Mund in ein jugendliches Lächeln, dass sich kurz darauf sofort in lautes fieses Lachen korrigiert. Sollte Julius sich jedoch nicht abschleppen lassen, werde ich ihm neun Gläser Champagner spendieren. Die optimale Menge, um Männermodels unter fünfundzwanzig Jahren gefällig zu machen.</p>
<p>Lale Nikki Eggers</p>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bitte schenkt mir nichts!</title>
		<link>http://blog.zoetrope.de/archives/1849</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Feb 2013 09:26:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gelbfish</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaffe-Sahne &#8211; durchaus gut. Oben braune &#8211; unten weiße Schokolade, zumindest etwas, das so aussieht und schmeckt für einen, der noch nie Schokolade gegessen hat. Es sei ja nicht selbstverständlich, was man tue, ein kleines Dankeschön für die Mühe und außerdem, unausgesprochen schwingt mit, man sei ja was schuldig. Ich möchte keine Merci-Vorratspackungen mehr! &#160; Lait Fourre Praline/Milch-Praline  - genauso süßlich wie dieses andere Produkt aus dem Hause Storck &#8211; das sind die, die ansonsten Kieferbrecher fabrizieren, die einem erst die Zähne zusammen kleben und dann die Plomben rausreißen. Genauso süßlich fällt der Dank aus. Ist man derart schemenhaft geblieben, dass Dank mit einem standardisiertes Industrieprodukt übergeben werden muss? Hat man derart neutral gelebt, dass die Geste wahlweise zwischen Maoam, einer Milka-Saison-Hohlfigur oder absurden Spongebob-Kaugummis wählen könnte, dann zu der Finest Selection greift, weil die findigen Produzenten ein &#8220;Merci&#8221; draufgeschrieben haben? Amer a la Creme/Herbe Sahne &#8211; nicht, dass da einer bitter würde. Es ist ja gut gemeint. Eine Karte war nicht nötig gewesen, auch kein Schulterklopfen, nicht einmal ein individuelles Geschenk hatte man erhofft, als die Hand in die Lidl-Tüte ging, kramte, herumwühlte und dann diesen Pappkarton hervor beförderte. Enttäuschte Erwartungen, selbst schuld. Lindt bietet &#8220;Kleiner Dank&#8221; an und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Kaffe-Sahne &#8211; durchaus gut. Oben braune &#8211; unten weiße Schokolade, zumindest etwas, das so aussieht und schmeckt für einen, der noch nie Schokolade gegessen hat. Es sei ja nicht selbstverständlich, was man tue, ein kleines Dankeschön für die Mühe und außerdem, unausgesprochen schwingt mit, man sei ja was schuldig. Ich möchte keine Merci-Vorratspackungen mehr!<span id="more-1849"></span> </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Lait Fourre Praline/Milch-Praline  - genauso süßlich wie dieses andere Produkt aus dem Hause Storck &#8211; das sind die, die ansonsten Kieferbrecher fabrizieren, die einem erst die Zähne zusammen kleben und dann die Plomben rausreißen. Genauso süßlich fällt der Dank aus.</p>
<p>Ist man derart schemenhaft geblieben, dass Dank mit einem standardisiertes Industrieprodukt übergeben werden muss? Hat man derart neutral gelebt, dass die Geste wahlweise zwischen Maoam, einer Milka-Saison-Hohlfigur oder absurden Spongebob-Kaugummis wählen könnte, dann zu der Finest Selection greift, weil die findigen Produzenten ein &#8220;Merci&#8221; draufgeschrieben haben?</p>
<p>Amer a la Creme/Herbe Sahne &#8211; nicht, dass da einer bitter würde. Es ist ja gut gemeint. Eine Karte war nicht nötig gewesen, auch kein Schulterklopfen, nicht einmal ein individuelles Geschenk hatte man erhofft, als die Hand in die Lidl-Tüte ging, kramte, herumwühlte und dann diesen Pappkarton hervor beförderte. Enttäuschte Erwartungen, selbst schuld.</p>
<div id="attachment_1859" class="wp-caption aligncenter" style="width: 605px"><a class="highslide img_5" href="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/02/Foto-09.02.13-10-31-07.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class=" wp-image-1859  " alt="Bitte!" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/02/Foto-09.02.13-10-31-07.jpg" width="595" height="133" /></a><p class="wp-caption-text">Bitte!</p></div>
<p>Lindt bietet &#8220;Kleiner Dank&#8221; an und &#8220;Von Herzen&#8221;. Wesentlich teurer und es sind nur vier Pralinen, oder in Geschenkpapier eingewickelte Schokoladen, drin. Der Markt hat schnell gelernt, kopiert, variiert und enthebt den Konsumenten des Denkens. Semantisch wird aufgepasst und sich auf kritische Geister eingestellt. Klein sei das Dankeschön, mehr eine kurzes Zwinkern auf dem Gesicht der Empathie, etwas für Akademiker und Intellektuelle. Besser macht es das nicht. Ich will ja keinen Schal gestrickt bekommen, niemand muss mir ein Gemälde malen oder ein Gedicht verfassen. Immerhin würde ich mich später erinnern und mich gefreut haben. Weil das, was ich getan habe, jemandem soviel bedeutet hat, dass Zeit und Mühe auf sich genommen wurden, mir etwas auf den Leib zu schneidern. Jemand hat gedacht und ist nicht einfach durch Rewe gelaufen.</p>
<p>Das Dankeschön unter Bohnensuppe, Katzenfutter und einem Sixpack verramscht. Wer will das haben? Oder war das, was man getan hat, so unwesentlich, dass es genau dort ziemlich gut aufgehoben ist? Mag sein. Dann möchte man das aber nicht wissen. Bisweilen schenke ich die Merci-Packungen weiter. Denke mir einen Grund aus, aber so einfach geht das nicht.</p>
<p>&#8220;Für was habe ich das verdient?&#8221;</p>
<p>Auf die Frage sollte man sich wappnen.</p>
<p>&#8220;Fürs Bügeln. Fürs Kochen. Fürs Kinder Gebären. Einfach mal so.&#8221;</p>
<p>So mal einfach so ist nicht. Immerhin freuen sich alle. Eine Magnum-Packung Merci zirkuliert und schafft gute Laune. Ein Kettenbrief der Herzlichkeit, der ansteckt und zum Nachdenken anregt. Wohin bloß mit dem Dank von der Stange?</p>
<p>Storck hat viel Mühe verwendet und es im deutschen Bewusststein fest verankert. Zu Ostern gibt es Osterhasen und an Weihnachten den Weihnachtsmann, für zwischendurch eine Packung Merci.</p>
<p><em>&#8220;[...] die köstliche Vielfalt der Variationen &#8211; meisterlich zubereitet [...]&#8220;</em>, schreibt die Firma und ihr ist kein Vorwurf zu machen. Sie haben es probiert und auf ganzer Linie gewonnen. Wie der Volkswagen fürs ganze Volk ist, wie die Tagesschau dem ganzen Volk die Wahrheit sagt, so verbreitet Merci die Dankbarkeit unter den Menschen. Vielfalt des Dankes wird in dem Zweisilber vergebens gesucht, Variationen des Dankes finden hier nicht statt, meisterlich ist das nicht. &#8221;gratis agere&#8221; sagten die Römer und meinten &#8220;Dank abstatten durch die Tat&#8221;. Das ist wesentlich ungelenker als &#8220;merci!&#8221;, will ja aber gar nicht   gesprochen werden, sondern umgesetzt.</p>
<p>Lait-Almandes-Noisettes/Mandel-Milch-Nuss &#8211; die Plomben bleiben also drin, die Haselnusskörner auch. Stecken fest in den sich nach der letzten Zahnsteinenentfernung aufgetanen Zahnfleischtaschen. Der Dank geht den Gaumen hinunter. Merci! Etwas bleibt, das bleibt hängen, das nimmt man mit. Ein simples &#8220;War nett&#8221; hätte genügt, das hätte es auch getan. Wer von einem austauschbaren Produkt an die eigene Austauschbarkeit erinnert werden möchte, darf das gerne tun. Oder an was anderes denken. Ich jedenfalls möchte keine Schokolade mehr. Eine Lächeln reicht oder auch ein Schal im Winter. Das würgt die Spontanität im Aldi zwar ab und vermutlich krieg ich dann auch allgemein weniger geschenkt: <em>&#8220;Er ist ja so wählerisch geworden.&#8221;</em> Das ist aber in Ordnung. Ich schaff das, da komm ich mit klar.</p>
<p>Der Schal müsste nicht einmal groß sein. Ein Fingerüberzug aus alter Schurwolle würde genügen. Danke.</p>
<p>Beat Gelbfish</p>
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		<title>Manchmal kommen sie wieder&#8230;</title>
		<link>http://blog.zoetrope.de/archives/1843</link>
		<comments>http://blog.zoetrope.de/archives/1843#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 02 Feb 2013 10:05:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bruno Dillmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Döblin]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiel, Satz, Match Kessel. Martin Kessels &#8220;Herrn Brechers Fiasko&#8221; wurde vor 11 Jahren neu veröffentlicht, blieb danach weiterhin unentdeckt, schlägt dabei doch Döblins Mummenschanz &#8220;Berlin Alexanderplatz&#8221;. Dillmanns großer Verriss. Kessels Roman, eine Bürogeschichte aus den Berliner &#8220;Golden Twenties&#8221; zu Beginn des letzten Jahrhunderts sei unangenehm, vertrackt, nicht psychologisch und was weiß ich nicht alles, um es übersetzen: ein schläääächter Romaaaaan, es hat mich gelaaaangweiiilt. Jedem seine Meinung: Herrn Brechers Fiasko ist wesentlich besser als einige der Besprechungen, wohl war einigen Rezensenten der Roman zu lang und ihre kostbare Kritikerzeit etwas zu schade, sodass sie eben voneinander abschrieben, wie so häufig. Zugegeben: Kessels Roman verliert im letzten Drittel an Intensität und Überzeugungskraft, zuvor aber erhält man über die Schilderung des Beziehungsgeflechts im Büro einer großen Berliner Versicherung Einblick in die Umstände des Arbeitsalltages, die luzider und treffender nicht sein könnten. Die Figuren sind psychologisch äußerst geschickt gestaltet, sie interessieren den Leser, die Positionen kontrastieren leitmotivisch und heben sich gegenseitig auf, es findet eine Entwicklung statt, man muss weiterlesen, da das Buch fesselt. Der Großmeister der Kritik, und viele seiner Schergen, sehen bzw. sahen das bei der Wiederveröffentlichung nicht so. Um zu vernichten, greift der Kritiker dann leider auch bereitwillig zum germanistischen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Spiel, Satz, Match Kessel. Martin Kessels &#8220;Herrn Brechers Fiasko&#8221; wurde vor 11 Jahren neu veröffentlicht, blieb danach weiterhin unentdeckt, schlägt dabei doch Döblins Mummenschanz &#8220;Berlin Alexanderplatz&#8221;. Dillmanns großer Verriss.<span id="more-1843"></span> </em></p>
<p>Kessels Roman, eine Bürogeschichte aus den Berliner &#8220;Golden Twenties&#8221; zu Beginn des letzten Jahrhunderts sei unangenehm, vertrackt, nicht psychologisch und was weiß ich nicht alles, um es übersetzen: ein schläääächter Romaaaaan, es hat mich gelaaaangweiiilt.</p>
<div id="attachment_1856" class="wp-caption alignleft" style="width: 291px"><a class="highslide img_6" href="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/02/501px-Kirchner_-_Bildnis_Dr_Alfred_Döblin.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class=" wp-image-1856  " alt="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0d/Kirchner_-_Bildnis_Dr_Alfred_Döblin.jpg" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/02/501px-Kirchner_-_Bildnis_Dr_Alfred_Döblin.jpg" width="281" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0d/Kirchner_-_Bildnis_Dr_Alfred_Döblin.jpg</p></div>
<p>Jedem seine Meinung: Herrn Brechers Fiasko ist wesentlich besser als einige der Besprechungen, wohl war einigen Rezensenten der Roman zu lang und ihre kostbare Kritikerzeit etwas zu schade, sodass sie eben voneinander abschrieben, wie so häufig. Zugegeben: Kessels Roman verliert im letzten Drittel an Intensität und Überzeugungskraft, zuvor aber erhält man über die Schilderung des Beziehungsgeflechts im Büro einer großen Berliner Versicherung Einblick in die Umstände des Arbeitsalltages, die luzider und treffender nicht sein könnten. Die Figuren sind psychologisch äußerst geschickt gestaltet, sie interessieren den Leser, die Positionen kontrastieren leitmotivisch und heben sich gegenseitig auf, es findet eine Entwicklung statt, man muss weiterlesen, da das Buch fesselt. Der Großmeister der Kritik, und viele seiner Schergen, sehen bzw. sahen das bei der Wiederveröffentlichung nicht so. Um zu vernichten, greift der Kritiker dann leider auch bereitwillig zum germanistischen Baseballschläger. Ein Idol muss her, ein großes Vorbild, etwas Herrliches, Großes, Epochemachendes, Würdiges, Modernes und doch Klassisches, dass man dem zu kritisierenden Produkt entgegenhält, um dieses noch kleiner machen zu können. Die Folie ist hier, türlich türlich, sagen die Germanisten, Döblins Berlin Alexanderplatz.</p>
<p>Dies, so die Kritiker, sei der wahre Berliner Großstadtroman, der die zwanziger Jahre zur Zeit der Weimarer Republik genial erfasse und mit einer an Originalität nie da gewesenen stilistischen Technik, mit Montage und Collage, und man höre und staune, dem &#8220;inneren Monolog&#8221; (Boah, ey!!) für Furore sorge und sich in die Ewigkeit der Hirnwindungen aller Germanisten einbrennen konnte. Gegen diesen Ausbund an Moderne, an Wahrheit, an Schönheit muss ein kleines Licht wie Kessel natürlich abstinken. Fall erledigt, Klappe bzw. Vorhang zu, da keine Frage offen, wie gut dass man sich auf Klassiker berufen kann. Oder sollte man doch noch einmal genauer nachsehen bzw. lesen?</p>
<p><em>&#8220;&#8230; und manchmal verbergen sich hinter hübsch geschmückten Mumien stinkende Kadaver!&#8221;</em></p>
<p>Den Text vielleicht selbst mal in die Hand nehmen, das einst und heute im trägen Ritual abgefeierte und zum Sternchenthema in endgültiger Apotheose vergötzte Monumentalwerk? Besser wäre das schon! Denn bei genauerem und nicht in speicheltriefender Verehrung erstarrendem Betrachten kommt einem bei Döblin einiges gar nicht mehr so genial vor. Der Roman schildert die Erlebnisse des ehemaligen Transportarbeiters Franz Biberkopf, ein sozial depravierter und tumber Mensch, der wegen des brutalen Mordes an seiner Verlobten Ida vier Jahre im Gefängnis Tegel zubrachte. Endlich entlassen, hat er bei der Reintegration in den Alltag so seine Mühen, das schlechte Gewissen plagt ihn, trotzdem bemüht er sich, zukünftig &#8220;anständig&#8221; zu bleiben. Bei Gelegenheitsjobs wird er von einem Kollegen böse gemobbt, der vom Erzähler so genannte &#8220;erste Schlag&#8221;, im späteren Verlauf lässt er sich auf den Gangster Reinhold ein, der ihn fasziniert (warum, erfährt man eigentlich nicht so genau). In seiner absoluten Naivität realisiert er nicht, dass der angebliche &#8220;Obsthandel&#8221;, den Reinhold und sein Boss Pums betreiben, Diebestouren sind.</p>
<p>Ohne etwas zu ahnen, wird zum Schmierestehen genötigt, auf der Flucht vor der Polizei wird er von Reinhold aus dem Auto gestoßen. Dieser &#8220;zweite Schlag&#8221; endet für Franz mit dem Verlust eines Armes. In der Folge bemüht sich Franz gar nicht mehr um Anständigkeit, bewusst geht er der Hehlerei und Zuhälterei nach, eine neue Frau (Mieze) kreuzt seinen Weg, auch mit Reinhold nimmt er, unverständlicherweise, wieder Kontakt auf. Es kommt, wie es der Erzähler im nervig didaktischen Duktus angekündigt hat: Reinhold ermordet Mieze, Franzens &#8220;dritter Schlag&#8221;, Reinhold wird später gefasst, Franz landet in der Irrenanstalt Buch bei Berlin, in der ihn der &#8220;Schnitter Tod&#8221; persönlich besucht, ihn über die begangenen Fehler freundlicherweise aufklärt und aus Franz einen &#8220;neuen Menschen&#8221; macht. Natürlich absolut genial bis hierhin, sind Sie meiner Meinung? Tolle Geschichte, doch doch! Aber das ist ja nicht alles.</p>
<p><em>&#8220;Jing und Jang, schwarz und weiß, Gott und Teufel, VfB und KSC, 60 und Bayern usw. usw.&#8221;</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Döblin (dessen andere Werke, bis auf die &#8220;Ermordung einer Butterblume&#8221; im kollektiven Bewusstsein vollständig verschwunden sind, warum wohl?) gilt ja auch als Modernisierer. Genialerweise gibt es nämlich keine auktorialen allwissenden Erzähler mehr, wie bei diesen alten Fontane-Schinken, und da gilt ja Döblin in Deutschland und natürlich somit auch weltweit als erster und einziger, der mit innerem Monolog und erlebter Rede gearbeitet hat (na ja, o.k., vorher waren noch dos Passos und Joyce und Schnitzler und hat nicht Thomas Mann ab und zu mal mit erlebter Rede&#8230; wie war das noch mit dem Beginn der &#8220;Buddenbrooks&#8221;?). Es kommt noch besser: eine unglaublich ausgeklügelte Collagiertechnik schafft es, den Moment des Unmittelbaren der Großstadt, der Hektik, der Routine, des Lärms dem Leser zu vermitteln. Texte unterschiedlichster Couleur werden regelmäßig in die Handlung eingeflickt, seien es Werbebroschüren, amtliche Verlautbarungen, Zeitungsartikel, aber auch vieles andere wird gepflegt hineinmontiert, Kinderlieder, Kriegslieder, Volkslieder, Schlager, dazu möglichst viele Bibelzitate, ein wenig Expressionismus hier, ein bisschen Rätselraten für Anfänger dort. Nun, irgendwie muss ein epochales Werk ja auch auf über 400 Seiten anschwellen, denn die Geschichte selbst gibt nun eben nicht besonders viel her.</p>
<p>Dieser Franz Biberkopf ist eben eine gänzlich traurige und langweilige Figur. Döblin hat in seinen Schriften bewusst die Abkehr vom Psychologisieren beschworen. Daran hält er sich. Biberkopf ist nur ein tumber, naiver, dummer und triebgesteuerter Egomane, der von einer Dummheit zur nächsten taumelt. Schön und gut, aber nach einer gewissen Zeit eben ästhetisch wenig ansprechend. Und wenig rätselhaft, wenig bewegend. Frauen behandelt er wie Dreck, seine Raufereien sind ab und zu einen müden Lacher wert, beim vierten oder fünften Mal aber wird auch das langweilig. Politisch ist er vollkommen naiv bzw. desinteressiert. Auch sein Schöpfer, der gelernte Medicus Döblin, besticht nicht mit sehr großer Hellsichtigkeit bezüglich der politischen Situation im Jahr 1929. Außer ein paar völkischen Zeitungen und einer Hakenkreuzbinde ahnt Döblin noch wenig. Die eine oder andere historische Einlassung ist dann doch ganz nett, Schwulenversammlungen und Kommunistenversammlungen und Gewerbetreibendeversammlungen und Versammlungen in Kneipen, ja, ein wenig schwappt das Flair des Weimarer Berlin zu uns herüber. Schade, dass man dabei immer sehr lange auf die rote Linie des Handlungsganges warten muss.</p>
<p>Aber halt, ruft da der Liebhaber: Übersehen Sie da nicht die mythologische Tiefe, den lebensphilosophischen Gehalt diese Romans? Die Leitmotivtechnik, die Bibelparaphrasen, Döblins Privatglauben? Den moralischen Impetus des Schlusses? Leider nein, leider ist das nicht zu übersehen, es stößt vielmehr unangenehm auf. Einige frühere Kritiker meinten, dass man doch so wertvolle Texte und Bezüge (Bibel!) nicht mit einer Geschichte aus dem Proletariermillieu &#8220;verunreinigen&#8221; dürfe. Das ist meiner Meinung nach nicht das Problem.</p>
<p>Literarisch ungut und logisch nicht stringent ist vielmehr die Verwendung der Bilder und die damit transportierte, völlig unausgegorene Lebensphilospophie Döblins. Zwei Seiten stellt Döblin mehr oder weniger gekonnt gegeneinander: die Hure Babylon, die immer wieder als Symbol des Drecks, der Versuchung, der Hybris, von Sex und Gewalt und Egomanie auftritt und Franz (natürlich symbolisch) in ihren Bann zieht und den Schnitter Tod aus Brentanos romantischem Lied, der Franz, so wird einem klar, vor dem von der Hure symbolisierten Lebenswandel retten will, indem er Franz zur Umkehr bewegt. Franzens Fehler deckt der Tod im neunten und letzten Buch des Romans dann auf: er hätte nicht so selbstverliebt, so eigensüchtig sein sollen. Er hätte auf andere Rücksicht nehmen sollen. Er hätte nicht so egoistisch sein sollen. Große Weisheiten, zugegeben, also auch wirklich großes Tennis von Döblin. Er verwurstet hier eine Art Ganzheitsphilosophie (Jing und Jang, schwarz und weiß, Gott und Teufel, VfB und KSC, 60 und Bayern usw. usw.), die Vorstellung von einem universellen Lebenszusammenhang von Leben und Tod.</p>
<p>Franz begeht nun während seiner Zeit den &#8220;Fehler&#8221;, den Tod nicht als Element dieser Universalität zu akzeptieren, er weigert sich nicht nur, er kämpft dagegen an, will sich durchsetzen, ist aggressiv und rappelt sich immer wieder auf. Der Gestus des Eroberns (symbolisiert auch durch eine Dampframme am Alexanderplatz, &#8220;wumm wumm&#8221; und durch unvermittelt eingestreute Napoleons und Cäsars und Nebukadnezars) löst sich erst ganz am Schluss auf in die von Döblin favorisierte Position des bereitwilligen Opfers. Franz muss und soll das Leiden akzeptieren und anerkennen, den Tod freudig entgegennehmen, den Todesstoß begrüßen. In seinem Sinne modelt Döblin auch die biblische Geschichten von Isaaks Opferung und Hiobs Leidung um. Die freudige Akzeptanz des Leidens und Unglücks als Voraussetzung der Heilung.</p>
<p>Mehrere Szenen aus den Berliner Schlachthöfen sollen, über einige Kapitel hinweg, nicht nur Berliner Flair vermitteln, sondern auch die vorbildliche Opferhaltung der Schlachttiere, von den Schweinen über den Stier bis zum Kälbchen sich steigernd, demonstrieren. Franz lernt erst in der Irrenanstalt Buch, das eigene Leiden anzunehmen, Opfer zu sein, er erhält noch einmal eine neue Chance und wird aus einem Dauerkoma ins Leben zurückgeholt. Die Zahl der Leitmotive ist Legion, ob die griechische Mythologie mit Orest und Menelaos, ob Adam und Eva, Hiob und Issak, die Hure oder wer auch immer bemüht werden. Aber: Masse ist nicht gleich Klasse, Logizität lässt sich nicht gewichten. Der Roman scheitert am Ende, Döblin selbst hat es in einem Brief an den Germanisten Petersen zugegeben, dass ihm hier die Fäden entglitten sind, dass er selbst nicht so genau wusste, wo er und mit ihm sein Held, der zum &#8220;neuen Menschen&#8221; mutiert, hin wollte bzw. durfte. Auf einer Seite wird nach einem zähen Marathon der Versuch unternommen, die divergente Geschichte und all ihre Aspekte auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen.</p>
<p>&#8220;Berlin Alexanderplatz&#8221; ist in meinen Augen ein Paradebeispiel literarischer Werke, die vor allem deswegen gefeiert werden, weil keiner der Kritiker eingestehen will, dass er selbst eigentlich nicht genau versteht, was Döblin hier sagen will. Dabei wäre das gar keine Schande: Döblin wusste es ja offensichtlich selbst nicht.</p>
<p>Wer einfach nur die Widersprüchlichkeit und Gebrochenheit der Aussagen um ihrer selbst willen feiert, traut sich nur einfach nicht zu, den Finger in die Wunde eines missglückten Roman-Endes zu legen. Franz ist also nach dem dritten Schlag wiederauferstanden, er ist jetzt viel reflektierter, wenn auch kein Gramm intelligenter, er schwört sich, &#8220;wach zu sein&#8221;, auf andere zuzugehen, sich &#8220;zu kümmern&#8221;, die &#8220;Augen auf&#8221; zu behalten, nicht mit anderen zu &#8220;marschieren&#8221;, das &#8220;Schicksal&#8221; nicht hinzunehmen, sondern es &#8220;anzufassen&#8221; und zu verändern. Aber was nun? Was ist die Lehre, für die sich Döblin und seine Leser so abgerackert haben, die der Erzähler uns gierig schon am liebsten im Vorwort mitteilen will? Ein Appell an gelebtes Mitmenschentum? Ein bisserl Political Correctness gefällig? Ein Appell an die Solidarität aller Menschen oder vor allem der Proletarier? Eine Warnung vor dem Faschismus (These Helmut Koopmanns)?</p>
<p>Der Konflikt des Individuums kontra Macht des Schicksals? Ach so: wo bleibt eigentlich die leitmotivische Opferhaltung? Ist sie noch zu erkennen? Hier wird einfach nur herumgewickelt und gewackelt, dass es eine wahre Freude ist. Ist schon die dem Roman innewohnende Philosophie krude und merkwürdig, dann sollte ein talentierter Autor diese wenigstens auch selbst respektieren und konsequent gestalten. Döblin kann das nicht, er konnte das auch nicht im theoretischen Bereich. Seine poetologischen Ausführungen widersprechen sich, ebenso die Schriften zu seinem metaphysischem Weltverständnis, gespeist von fernöstlichem und christlichem Kladderadatsch. Eigentlich kein Wunder, dass es in der Praxis ebenso hapert.</p>
<p>Trotz dieser Mängel hat es dieser Roman nun einmal in den Rang eines Buches von Weltruhm gebracht, leider ist niemand mehr bereit dazu, alte Fetische zu entzaubern oder zumindest zaghaft in Frage zu stellen. Natürlich wird man dem Berlin Alexanderplatz historischen Wert zusprechen müssen, Zeitkolorit, Erzähltechnik, Stilistik sind, das bleibt Döblin ja unbenommen, zu dieser Zeit außergewöhnlich und noch originell. Für den Konsumenten von Literatur bleibt aber eine oft langweilige, sich zäh oder gar nicht bewegende Geschichte mit tumben und uninteressanten Figuren, die kaum Lesegenuss bereiten kann. Die bildungsbürgerliche Proskynese vor Döblins äußerst unhandlichen, klobigen Block harter Prosa ist demzufolge nicht angemessen. Ganz im Gegenteil zu Martin Kessels &#8220;Herrn Brechers Fiasko&#8221;, aber dieser Roman wird wohl immer hinter dem verehrten Monolithen ein Schattendasein führen. Leider.</p>
<p>Bruno Dillmann</p>
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		<title>Ways</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Jan 2013 09:56:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franca Leyendecker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Raum]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ways&#8221; by Franca Leyendecker]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;Ways&#8221; by Franca Leyendecker<span id="more-1828"></span></em></p>

<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1827' title='airway'><img data-attachment-id="1827" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_9499.jpg" data-orig-size="2048,1536" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1286041681&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;11.759&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.033333333333333&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="airway" data-image-description="&lt;p&gt;airway&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1817' title='the neon way'><img data-attachment-id="1817" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_9126.jpg" data-orig-size="1600,1200" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1277304717&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;1&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="the neon way" data-image-description="&lt;p&gt;the neon way&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1824' title='light way'><img data-attachment-id="1824" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_9564.jpg" data-orig-size="2048,1536" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1286116606&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.005&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="light way" data-image-description="&lt;p&gt;light way&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1823' title='walking the mud'><img data-attachment-id="1823" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/DSC_0463.jpg" data-orig-size="2896,1944" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D200&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1283075033&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;24&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.004&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="walking the mud" data-image-description="" data-medium-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/DSC_0463-300x201.jpg" data-large-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/DSC_0463-1024x687.jpg" width="290" height="290" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/DSC_0463-290x290.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="walking the mud" /></a>
<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1815' title='tide ways leave you getting stuck'><img data-attachment-id="1815" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/DSC_0448.jpg" data-orig-size="2896,1944" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;10&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D200&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1283074592&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;55&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0028571428571429&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="tide ways leave you getting stuck" data-image-description="&lt;p&gt;tide ways leave you getting stuck&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1822' title='rivering through'><img data-attachment-id="1822" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_1179.jpg" data-orig-size="2592,1944" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1177154896&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;11.759&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.00125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="rivering through" data-image-description="&lt;p&gt;rivering through&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1825' title='the way a dancer'><img data-attachment-id="1825" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_4079.jpg" data-orig-size="1944,2592" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;2.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1205255922&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.2&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="the way a dancer" data-image-description="&lt;p&gt;the way a dancer&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1816' title='some way down'><img data-attachment-id="1816" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/A033557.jpg" data-orig-size="3264,2448" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;4.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;E-300&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1317645212&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;26&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;100&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.002&quot;,&quot;title&quot;:&quot;OLYMPUS DIGITAL CAMERA&quot;}" data-image-title="some way down" data-image-description="&lt;p&gt;some way down&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1821' title='green finds its way'><img data-attachment-id="1821" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/DSC_0512.jpg" data-orig-size="2896,1944" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;9&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D200&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1283079704&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;17&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.003125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="green finds its way" data-image-description="&lt;p&gt;green finds its way&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1818' title='way out'><img data-attachment-id="1818" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/fontain-332.jpg" data-orig-size="1944,2592" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;5.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1238516492&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0015625&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="way out" data-image-description="&lt;p&gt;way out&lt;/p&gt;
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<a href='http://blog.zoetrope.de/?attachment_id=1820' title='sea way'><img data-attachment-id="1820" data-orig-file="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_6787.jpg" data-orig-size="2592,1944" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;5.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot A530&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1266437745&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;5.8&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.001&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="sea way" data-image-description="&lt;p&gt;sea way&lt;/p&gt;
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		<title>Als der Postbote meinen Kopf überfuhr</title>
		<link>http://blog.zoetrope.de/archives/1805</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Jan 2013 09:20:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Butterwek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Udall]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Enttäuschende zuerst: mit Bierdosen hat hier kaum etwas tun und Bäume kommen nur am Rande vor. Brady Udall: &#8220;Der Bierdosenbaum&#8221;, Roman, aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens.Was den deutschen Verlag dazu bewogen haben mag, &#8220;The Miracle Life of Edgar Mint&#8221; in &#8220;Der Bierdosenbaum&#8221; umzutiteln, lässt sich auch bei wiederholter Lektüre des flüssig und bewegt geschrieben Textes nicht erklären. Möglicherweise darf der Missgriff auf die im Genre des Kinofilms inzwischen liebgewonnene Tradition zurückgeführt werden, sich bei einem Kasten Germania-Export eine möglichst abwegige, jedoch massenkompatible Überschrift auszudenken. 1980 wurde in einem bis heute nie mehr erreichten Akt schöpferischen Schaffens des italienischen Splatter-Machwerks spröde Erstzeile &#8220;Fear in the City of the Living Dead&#8221; flugs der Supernasentitel &#8220;Ein Zombie hing am Glockenseil&#8221; übergestülpt und dadurch ein Zielpublikum avisiert, das am Samstagabend nichts anderes als den Sonntagmorgen und die Sendung mit der Maus in der Libido hatte und sich noch herzlich an Didi Hallervorderns &#8220;Nonstop Nonsens&#8221; freuen konnte. Heute ist die Klientel erwachsen und wirkt sichtlich enttäuscht, wenn es sich beim &#8220;Bierdosenbaum&#8221; nicht um einen Alkoholikerroman handelt, ja nicht einmal eine zünftige Sauferei mit orgiastischen Abschweifungen geboten wird. 2004 wickelt der Velag den Titel dann ab und benennt ihn um in: &#8220;Das wundersame Leben des [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das Enttäuschende zuerst: mit Bierdosen hat hier kaum etwas tun und Bäume kommen nur am Rande vor. </em>Brady Udall: &#8220;Der Bierdosenbaum&#8221;, Roman, aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens.<span id="more-1805"></span>Was den deutschen Verlag dazu bewogen haben mag, &#8220;The Miracle Life of Edgar Mint&#8221; in &#8220;Der Bierdosenbaum&#8221; umzutiteln, lässt sich auch bei wiederholter Lektüre des flüssig und bewegt geschrieben Textes nicht erklären. Möglicherweise darf der Missgriff auf die im Genre des Kinofilms inzwischen liebgewonnene Tradition zurückgeführt werden, sich bei einem Kasten Germania-Export eine möglichst abwegige, jedoch massenkompatible Überschrift auszudenken. 1980 wurde in einem bis heute nie mehr erreichten Akt schöpferischen Schaffens des italienischen Splatter-Machwerks spröde Erstzeile &#8220;Fear in the City of the Living Dead&#8221; flugs der Supernasentitel &#8220;Ein Zombie hing am Glockenseil&#8221; übergestülpt und dadurch ein Zielpublikum avisiert, das am Samstagabend nichts anderes als den Sonntagmorgen und die Sendung mit der Maus in der Libido hatte und sich noch herzlich an Didi Hallervorderns &#8220;Nonstop Nonsens&#8221; freuen konnte.</p>
<p>Heute ist die Klientel erwachsen und wirkt sichtlich enttäuscht, wenn es sich beim &#8220;Bierdosenbaum&#8221; nicht um einen Alkoholikerroman handelt, ja nicht einmal eine zünftige Sauferei mit orgiastischen Abschweifungen geboten wird. 2004 wickelt der Velag den Titel dann ab und benennt ihn um in: &#8220;Das wundersame Leben des Edgar Mint&#8221;. Oha!</p>
<div id="attachment_1807" class="wp-caption aligncenter" style="width: 549px"><a href="http://blog.zoetrope.de/archives/1805/brady_udall_author" rel="attachment wp-att-1807"><img class="wp-image-1807 " alt="Brady Udall / http://en.wikipedia.org/wiki/File:Brady_Udall,_author.jpg" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/Brady_Udall_author.jpg" width="539" height="614" /></a><p class="wp-caption-text">Brady Udall / http://en.wikipedia.org/wiki/File:Brady_Udall,_author.jpg</p></div>
<p>Brady Udall enttäuscht keinesfalls. In einnehmender Sprache entwickelt er die Jugendjahre seiner literarischen Gestalt Edgar P. Mint und begleitet den Indianerwaisen während vier Etappen, in denen &#8211; das Bier ist längst getrocknet &#8211; hineingesehen wird in die USA des späten 20. Jahrhunderts.</p>
<p><em>1. Saint Divine </em></p>
<p><em>2. Willie-Sherman</em></p>
<p><em>3. Richland </em></p>
<p><em>4. Stony Run </em></p>
<p>In Saint Divine lässt der Ich-Erzähler uns näher an sich herantreten und einen ersten überraschten Blick auf ihn, den kleinen Indianerjungen werfen, dem soeben der Schädel zerquetscht wurde. In Willi-Sherman verfolgen wir sein Werden und Überleben an der &#8220;Reservats&#8221;schule.</p>
<p><em>&#8220;Brady Udall ist die Stimme einer neuen Generation.&#8221;</em></p>
<p>Das lässt sich in einigen Besprechungen lesen und auch auf dem Klappentext bleibt nichts unversucht, den in Europa unbekannten Autor mit möglichst platten Attributen zu positionieren, um ihm eine möglichst breit dahertrippelnde Herde von Lesevieh zuzutreiben. Udall bedarf solcher Fürsorge nicht. Seine Sätze sind klar und die Sinnzusammenhänge fein zwischen Ironie und Tragödie austariert, so dass er sich selbstbewusst und ohne Gehege in der freien Wildbahn des Literaturbetriebes wird herumtreiben dürfen. Diesem Schriftsteller eine Nische zuweisen zu wollen, ihm womöglich noch den verkaufsfördernden Stempel einer sogenannten &#8220;Minderheitenliteratur&#8221; auf die Stirn drücken zu wollen, mag bei wohlwollendem Abwägen von guter Absicht zeugen &#8211; gute Wirkung erzielt derlei jedoch nicht.</p>
<p><em>&#8220;An diesem Tag sollte ein Schriftsteller kommen, von dem die Lehrer seit Wochen erzählt hatten, Vincent DeLaine, der große Dichter der amerikanischen Ureinwohner, irgendein berühmter Mann, dessen Namen wir nie zuvor gehört hatten.&#8221;</em></p>
<p>Udall ist zu klug, um in seinem Erstling nicht bereits mit jenen Klischees zu spielen, die ihm aufgrund seiner Abstammung und des Sujets des Romans angeheftet werden. Also lässt er Edgar Mint während seiner Schulzeit die Lesung eines indianischen Poeten besuchen. Poetisch ist hier allerdings recht wenig. Der Mann ist kein Dichter, allenfalls ein Gebrauchslyriker, der aus seiner Herkunft Aufmerksamkeit zieht, sich in den Attributen einer vereinfachenden Pressel spiegelt und Vorurteile nicht abbauen hilft, wie seine Literatur vorgibt, sondern durch sein Handeln noch vstärkt. Eine indianische Mischung zwischen Sting und Bono, welcher der künstlerische Impetus bereits zu Beginn abhanden gekommen ist. Ein Zombie des Kunstbetriebs, der allenfalls die Platititüden zu reproduzieren vermag, die von seinesgleichen erwartet werden. In Deutschland haben wir zwar keine Indianer, dafür aber Vertreter anderer Minderheiten: die Kölner und Düsseldorfer, Niedecken, Wenders und Campino. Stimmen einer Generation.</p>
<p><em>&#8220;Dürfte ich nur eine einzige Begebenheit aus meinem Leben berichten, wählte ich diese: Ich war sieben Jahre alt, als der Postbote meinen Kopf überfuhr. Kein Erlebnis hat mich so geprägt wie dieses.&#8221;</em></p>
<p>Edgar Mint ist sieben Jahre alt, als er unter ein Postauto klettert, spielend die Gefahr nicht achtet und den Schädel zerschmettert bekommt, da der Fahrer zurücksetzt und besonders kräftig Gas gibt, weil er einen Kürbis unter den Rädern vermutet. Der Protagonist ist ein Indianerjunge. Das Buch über sein Heranwachsen jedoch kein Indianerbuch. Es bleibt das Buch über einen Menschen. Hautfarbe und Gesellschaft prägen zwar die Umstände. Die Aktionen und Reaktionen sind jedoch die eines Menschen. Alles ganz im aristotelischen Sinne. Edgar überlebt.</p>
<p>Wie er alles weitere überleben wird, das ihm im Laufe der nächsten 7 Jahre zustoßen wird &#8211; und das ist allerhand. Er wird geprügelt, erfährt den Spruch &#8220;Friss Scheiße, Mann!&#8221; in sinnlichster Bedeutung, überlebt den Sprung von einem Abhang und schließich auch die süßliche Liebe einer Mormonenfamilie, in deren Behutsamkeit er sich im Teenageralter einschmuggelt. Edgar ist Waise. Denn als er nach Monaten aus dem Koma erwacht, in das der Postbote ihn befördert hatte, ist er noch zu schwach, um nach Hause zu gehen, und als er gerade stark genug erscheint, sterben Mutter und Großmutter. Den leiblichen Vater, einen nostalgisierenden Cowboy, hat er nie zu Gesicht bekommen.</p>
<p>Also beginnt Edgars Odyssee durch die USA der 1970er Jahre. Das Schicksal eines Indianerjungen steht tatsächlich im Mittelpunkt des Romans und die Bezüge, die, von ihm ausgehend, sich auftun, spiegeln einen dunklen Teil des amerikanischen 20. Jahrhunderts wider. Dies geschieht derart fein in den Erzähltext verwoben, dass die politisch moralische Botschaft nur feinen Augen sichtbar wird immer zuerst das Lesevergnügen entgegenspringt. Denn Udall lässt Edgar eine Schreibmaschine schenken, damit jener über das Beschreiben der eigenen Erlebnisse sich seinerselbst wird vergewissern wird können. Die Hermes Jubilee wird zu Edgars engster Vertrauten, sie gewinnt ordnenden, aber auch archivierende Kraft über den Jungen.</p>
<p><em>&#8220;Der Rhythmus ergriff Besitz von mir und trieb mich zu immer schnellerem, halsbrecherischem Tempo an, das häufig damit endete, dass sich alle Typen verhalten wie Finger, die nach dem letzten Strohhalm griffen.&#8221;</em></p>
<p>Womit Edgar zum Erzähler des eigenen Lebens wird. Rückblickend, als Stony Run bereits Historie ist, holt er aus und berichtet so aufrichtig, wie ein Erwachsener das aus seiner abgeklärten Sicht wohl tun mag. Er springt zwischen der ersten und dritten Person und beschreibt dabei alle dem Ich-Erzähler wesentlich erscheinenden Phasen bis zu dessen 15. Jahr. Die Sprache bleibt stets die gleiche, doch passt sie ihr Reflexionsniveau dem Alter des gerade handelnden Edgar an. Das wirkt niemals peinlich oder aufgesetzt, denn sie findet die Worte und Gedanken des 9jährigen genauso wie jene des Teenagers.</p>
<p>Wer auf diese Weise seine Leser manipuliert, der tut es auf eine möglichst ehrlich erscheinende, weil naiv wirkende Weise. Er tut es historisch. Das Zukünftige bleibt verschlossen und Entscheidungen, Siege wie Niederlage werden nicht auktorial beurteilt, sondern erscheinen aus dem Moment ihres Entstehens gerechtfertigt. Alles ist offen, nichts ist mit Erklärung oder Bedeutung belegt. Edgar bleibt ehrlich. Auch bei seinem Sprung in Schlucht. Selbst als Onanist und Selbstmörder.</p>
<p><em>&#8220;Mit steifen Gliedmaßen schleppte ich mich über die Staubstraße und stöhnte wie ein trauriges, einsames Monster, das sich gerade aus dem Sumpf gezogen hatte.&#8221;</em></p>
<p>Ein Bierdosenbaum kommt tatsächlich vor. Aber nur kurz und nebenbei. Allenfalls käme ihm allegorische oder metaphorische Bedeutung zu. Jene ernsthaft zuzuweisen, fällt schwer. Soll er stehen für einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des Edgar P. Mint, versagt er für das Folgende den Inhalt. Denn Udall kapriziert sich weder als moralisierende Stimme der Indianer, noch arbeitet er als plumper Symbolist. Würde nicht darauf hingewiesen werden: Edgar P. Mint könnte afroamerikanischer Herkunft, oder auch ein hispanischer Teenager sein. Und Udall weder ein neuer Irving oder Boyle, aber gewiss bald ein Schriftsteller eigenen Ranges. Keine Stimme ihrer Generation&#8230;</p>
<p>Butterwek</p>
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		<title>In der Absicht ist alles</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jan 2013 10:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Butterwek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sándor Márai]]></category>

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		<description><![CDATA[Sándor Márai, 1900 geboren und 1989 von eigener Hand aus dem Leben geschieden, veröffentlichte &#8220;Die Glut&#8221; 1942. Äußerlich unbeeindruckt vom ansetzenden Weltenbrand, zeichnet er ähnlich wie Schnitzler in seiner genialischen Novelle &#8220;Leutnant Gustl&#8221; die Befindlichkeit einer ausgehenden Epoche am Innenleben eines Offiziers nach. Sándor Márai: &#8220;Die Glut/A gyertyák csonkig égnek&#8221;, Roman, 219 Seiten, München 2001/Budapest 1942, aus dem Ungarischen von Christina Viragh. So wie &#8220;Leutnant Gustl&#8221; einen Archetyp umfasst und in jeden Zeitabschnitt fruchtbringend transferiert werden könnte, da Schnitzler sich dem Menschlichen und Allgemeinen widmet, ohne die Besonderheit der Situation außer Acht zu lassen, weitet auch &#8220;Die Glut&#8221; die historische Spange und lässt ihren Protagonisten weitgehend unabbhänig von seiner Epoche handeln, sprechen und und über Zeitloses und Allgemeines theoretisieren. Während der Österreicher auf die Eigenschaft des Menschen abhebt, oktroyierte Wertmaßstäbe in Ermangelung eigener anzunehmen und sich in ihnen zu einem willfährigen Paragraphen zu verbiegen, beleuchtet der Ungar die Grundbegriffe Freundschaft, Hochmut und Feigheit. Dass seine Hauptfigur ein k.u.k-General ist, mag das Beginnen zwar erleichtern; doch bald schon scheint er durch jeden anderen Typus ersetzbar und könnte auch &#8220;Oberstudienrat&#8221; oder &#8220;Supermarkt-Filialleiter&#8221; heißen. &#8220;Der General erkannte die Schrift, nahm den Brief und steckte ihn in die Tasche. Er trat in die kühle Vorhalle [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sándor Márai, 1900 geboren und 1989 von eigener Hand aus dem Leben geschieden, veröffentlichte &#8220;Die Glut&#8221; 1942. Äußerlich unbeeindruckt vom ansetzenden Weltenbrand, zeichnet er ähnlich wie Schnitzler in seiner genialischen Novelle &#8220;Leutnant Gustl&#8221; die Befindlichkeit einer ausgehenden Epoche am Innenleben eines Offiziers nach. Sándor Márai: &#8220;Die Glut/A gyertyák csonkig égnek&#8221;, Roman, 219 Seiten, München 2001/Budapest 1942, aus dem Ungarischen von Christina Viragh.</em><span id="more-1795"></span></p>
<p>So wie &#8220;Leutnant Gustl&#8221; einen Archetyp umfasst und in jeden Zeitabschnitt fruchtbringend transferiert werden könnte, da Schnitzler sich dem Menschlichen und Allgemeinen widmet, ohne die Besonderheit der Situation außer Acht zu lassen, weitet auch &#8220;Die Glut&#8221; die historische Spange und lässt ihren Protagonisten weitgehend unabbhänig von seiner Epoche handeln, sprechen und und über Zeitloses und Allgemeines theoretisieren. Während der Österreicher auf die Eigenschaft des Menschen abhebt, oktroyierte Wertmaßstäbe in Ermangelung eigener anzunehmen und sich in ihnen zu einem willfährigen Paragraphen zu verbiegen, beleuchtet der Ungar die Grundbegriffe Freundschaft, Hochmut und Feigheit. Dass seine Hauptfigur ein k.u.k-General ist, mag das Beginnen zwar erleichtern; doch bald schon scheint er durch jeden anderen Typus ersetzbar und könnte auch &#8220;Oberstudienrat&#8221; oder &#8220;Supermarkt-Filialleiter&#8221; heißen.</p>
<p><em>&#8220;Der General erkannte die Schrift, nahm den Brief und steckte ihn in die Tasche. Er trat in die kühle Vorhalle und reichte dem Jäger wortlos Stock und Hut.&#8221;</em></p>
<p>Mit wenigen Federstrichen entwirft Márai die Mattigkeit und Einsamkeit des Generals und lässt Kindheit und Jugendzeit in einem längeren Rückblick dem Greisenalter gegenübertreten. Der General ist 75 Jahre alt, lebt abgeschieden von den Wirren der späten 30er auf seinem Schloss in Ungarn, als man ihm den Besuch eines alten Freundes anzeigt. Es ist der Jugendfreund, Konrád, den er zum letzten Mal vor 41 Jahren gesehen hatte, bevor der Gefährte auf rätselhafte Weise aus seinem Leben verschwunden war. Gemeinsam hatten sie die k.u.k-Kadettenschule in Wien besucht, waren dem KaiserKönig begegnet und später als Offiziere in seinem Dienst gestanden. Castor und Pollux wurden sie genannt und wie wahlverwandte Zwillinge verhielten sie sich auch.</p>
<div id="attachment_1797" class="wp-caption alignleft" style="width: 440px"><a href="http://blog.zoetrope.de/archives/1795/img_3491" rel="attachment wp-att-1797"><img class=" wp-image-1797  " alt="Budapest im Winter" src="http://blog.zoetrope.de/wp-content/uploads/2013/01/IMG_3491-1024x765.jpg" width="430" height="322" /></a><p class="wp-caption-text">Budapest im Winter</p></div>
<p>Dass der eine arm und der andere reich war, wurde von der Freundschaft mühelos überbrückt. Allein Konráds besondere Befähigung zur Musik stand zwischen ihnen. Sie vermochte die Leidenschaft in ihm zu entfachen, das Gefühl verstärken und ihn auf wortlose Weise Brücken zu anderen Menschen schlagen zu lassen, während seinem Kameraden Henrik jener Zugang verwehrt blieb und die Noten nur als Krücken dienten, den Schwung des Walzers zu halten und ihm des Abends die Damen zuzutreiben.</p>
<p><em>&#8220;Ninis Gesicht war rosarot und runzelig &#8211; edle Stoffe altern so,  jahrhundertealte Seide, in die eine Familie ihre ganze Handfertigkeit und alle ihre Träume hineingewoben hat.&#8221;</em></p>
<p>Als die beiden 75jährigen Männer wieder gemeinsam am Tisch sitzen und speisen, ergreift der General die Gelegenheit, endlich das Geheimnis aufzudecken, dessen Beantwortung er entgegenwartet seit 41 Jahren und das nur von Kónrad gelüftet werden kann. Er berichtet, wie er damals am Tag des Bruchs auf der Jagd den Freund hinter sich das Gewehr hatte spannen hören und ohne sich umzudrehen fühlte, wie der beste Freund den Lauf der Waffe auf seinen Hinterkopf richtete. Geschossen habe Kónrad nicht, doch die Absicht sei es gewesen, die ihn ihm alles verwirrte und ins Chaos stürzen ließ. Zwar habe er den Freund danach nicht direkt auf das Ereignis angesprochen, doch sein Schweigen sei so verräterisch gewesen und die rasch erfolgte Flucht in die Tropen hätte   alles offensichtlich gemacht. Die Zwischenfälle des letzten Abends ließen nicht allein den Verdacht des &#8220;Brudermords&#8221; sich verdichten, sondern auch den Ehebruch, um dessenwillen die Tat wohl geplant gewesen war.</p>
<p><em> &#8220;In den vergangenen Stunden hatte das Schloss zu leben begonnen wie eine aufgezogene Apparatur.&#8221;</em></p>
<p>Wie sehr der General sich plagt, wie unter der harten Oberfläche alles brüchig und in den letzten 41 Jahren erodiert ist, wird von Márai geschickt auf die sprachliche und inhaltliche Ebene der direkten Rede transponiert. Es wird deutlich, dass die peripetische Ballung seines Schicksals vor 41 Jahren den General zwar auf der Bahn hat bleiben lassen, sein Inneres jedoch aus den Schienen schleuderte.</p>
<p>Antworten auf seine verschachtelnden, kreisenden Fragen will er auch 41 Jahre später nicht hören, wie sehr es ihn drängen und in alle Richtungen schieben mag. Immer wieder fällt er Kónrad ins Wort, wenn jener auflösen könnte, eine Geste unternimmt oder auch nur die Mimik ändert. Eine Veränderung der Perspektive wird nicht gewünscht, der Gast nur als schweigsamer Gegenüber benötigt, durch dessen Gegenwart der abgeredete Wortschwall den Schimmer von Legitimation und Wahrhaftigkeit erhält.</p>
<p>Auch wenn künstlerisch gewollt und bewusst als Stilmittel eingesetzt, vermag jenes endlose Monologisieren nicht lange zu interessieren. Des Generals Worte sind nicht dumm und selbstgerecht, doch nur soweit tief, dass sie in der Hoffnung gelesen werden, endlich etwas Greifbares und Erklärendes in Händen halten zu dürfen. Tatsächlich ist der Entzug einer Erklärung das den Roman formal wie inhaltlich durchwirkende Prinzip und am Text selbst wird verdeutlicht, was in der Theorie angestrebt. Und das langweilt, weil die Absicht schnell erkannt.</p>
<p>Das bloße Berichterstatten des Greises vermag nicht über 100 Seiten zu fesseln. Zwar wird ex negativo über dem weitgehend trivialen und substanzlosen Geschwätz der Charakter eines Menschen konturiert, der ins erkenntnistheoretische Vakuum gestürzt ist &#8211; allein die Geschichte, in die doch so kunst- und mühevoll eingeführt wurde, bringt das nicht weiter. Was zu einem Kammerspiel zweier Figuren, ja selbst zum Duell des Generals mit sich selbst hätte werden können &#8211; nur ein kleiner Zusatz &#8220;Kónrad&#8221; wäre vonnöten &#8211; gerät zur schalen Selbstbespiegelung im Schädel des müden Protagonisten.</p>
<p><em>&#8220;Wichtig ist, dass man am Ende mit seinem ganzen Leben antwortet.&#8221;</em></p>
<p>Was, wenn der Mordanschlag gar keiner gewesen ist? Die Ehefrau nicht die Ehe mit Kónrad gebrochen hat? Dessen Flucht kein Schuldeingeständnis, sondern zum Schutz des Generals geschehen war, nämlich dessen keimendes Misstrauen und Abseitsgehen nicht weiter zu befördern, sondern einzufrieren durch den Entzug des spiegelbildlichen Partners?</p>
<p>Da der General weder in ihrem Gespräch noch damals tatsächlich nach Antworten gesucht hat und er des Lesers einzige &#8220;Wahrheits-&#8221;Quelle bleibt, mag jenes denkbar, vermutlich sogar die tatsächliche &#8220;Wahrheit&#8221; Kónrads sein. 8 Jahre lang hat Henrik nach jenem Zwischenfall seine Frau angeschwiegen, bis jene starb und 41 Jahre lang gewartet auf die Rückkehr Kónrads, um unwidersprochen die eigene Wahrheit legitimieren zu können.</p>
<p>Schön wäre es, wenn Márai nur eine kleine Fährte in diese Richtung geben würde; sie würde den Roman emporheben und zu einem meisterlichen und nicht allein gehaltvollen Stück Literatur machen. Doch leider muss zuviel von außen hinein phantasiert werden, als dass jene geistige und emotionale Höhe dem eigentlichen Text zugeschrieben werden dürfte. Das Versprechen, das durch Beginn und durchdachte Komposition gegeben, wird von diesem Roman nie eingelöst. So bleibte eine geschickt geschriebener Bericht; zwar angelegt zur Größe, doch da leider allzu schnell sein Geheimnis enthüllend, bald ermattend und Kónrad wie auch den Leser mit seiner Geschwätzigkeit überfahrend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bruten Butterwek</p>
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